Alle Kommentare zum Thema Sterben und Tod

Es trifft jeden. Und wir wollen es nicht wahrhaben. Es macht uns sprachlos. Worte wie "sterben", "Tod", "Beerdigung" schieben wir gern von uns. Außer abends beim Krimi im Fernsehen. Weil uns das Thema ängstigt, gehen wir sachlich vor: "die letzten Dinge regeln". Wie werden sie geregelt? Wie gehen die Angehörigen mit diesem Ereignis um?

Sterben und Tod

Ältere Beiträge, sprachlich korrigiert 

Misuk Tschoae aus Südkorea: Die Zeremonie dauert drei Tage
Dem Leichnam werden kurz nach dem Tod die Augen zugedrückt, die Arme und die Beine ausgestreckt. Das Gesicht, die Hände und die Füße werden mit Alkohol sauber gemacht. Die Familie des Toten legt den Kopf des Leichnams nach Osten. 

Vor den Leichnam wird eine weiße Stellwand gestellt, vor diese ein kleiner Tisch. Der Tisch wird mit weißem Papier bedeckt. Auf dem Tisch steht Essen, das jeden Tag erneuert wird. Ein großes Bild des Verstorbenen wird auf den Tisch gestellt. Links und rechts neben dem Bild wird je eine Kerze angezündet.

Vor den Tischen verbeugt sich die Familie. In der vorderen Reihe knien die Männer, dahinter die Frauen. Diese Zeremonie dauert in der Regel 3 Tage.
(Beitrag 625, Von: parkmensing@netsgo.com, Misuk Tschoae aus Taejon
  

Shoko aus Japan: Kaum Musik bei Beerdigungen
In Japan wird fast keine Musik bei der Beerdigung gespielt und für den Toten werden bestimmte Blumen gewählt (z.B. Chrysanthemen)
(Beitrag 231, Von: ad00d01@mailedu2.ipc.kanazawa-u.ac.jp, Shoko SATO) 
 

Elva Tong und Cheuk-man Lok aus Hongkong/China: Das Empfangsheft
Wenn die Gäste in der Halle ankommen, müssen sie sich zuallererst in das ‘Empfangsheft’ beim Eingang eintragen und das Bestattungsgeld gleich der Familie des Verstorbenen geben. 

Dafür bekommen sie von der Familie eine kleine weiße Tüte, in der ein Bonbon, eine Münze und ein weißes Tuch stecken. Damit können die Gäste die Trauer und das Pech abwehren. Sie sollen es nicht nach Hause bringen. 

Nach der Beerdigung trifft man sich bei einem Leichenschmaus. Bei diesem Schmaus werden normalerweise sieben Gänge bestellt. Die meisten davon sind Gerichte, die der Verstorbene im Leben gern mochte. 

Es klingt komisch, aber ein Platz mit Besteck ist auch für ihn am Tisch reserviert. Obwohl er nicht dabei sein kann. Man glaubt und hofft, dass er mit den Angehörigen das Essen trotzdem genießt!
(Beitrag 228, Von: elvatong@netvigator.com, Elva Tong) 
 

Binggoy von den Philippinen: Was man nicht tun soll
Es ist eine Tatsache, dass Filipinos abergläubisch sind. Übliche Bräuche sind: Man muss einen gebrochenen Rosenkranz in die Hand des Verstorbenen legen. Niemand darf duschen oder baden oder das Haus putzen, während die Leiche im Haus ist. Die Familie darf sich bei den Gästen nicht bedanken oder sie zur Tür bringen. 

Bevor die Leiche das Haus verlässt, müssen schwangere Frauen zuerst das Haus verlassen. Aber wenn die ganze Trauerprozession versammelt ist, dann müssen alle der Prozession folgen. Niemand darf vor der Leiche am Friedhof sein. Nachbarn und Leute, die am Weg der Prozession wohnen, dürfen nicht feiern oder eine Party geben. Passanten werfen Münzen für ihr eigenes Glück und hoffen, dass der Verstorbene für sie beten wird. 

Dieser Aberglaube verhindert, dass der Verstorbene zurückkehrt. Es ist ein bisschen ironisch, dass gerade die Leute, die um den Verstorbenen weinen, alles tun, um seine Rückkehr als Geist zu vermeiden.
(Binggoy de Ocampo, Philippinen) 
 

Ältere Beiträge, sprachlich nicht korrigiert 

14.04.07 15:49Jessica Gayde
Ich kann die Beerdigung meines Vaters nicht bezahlen
Vor kurzem ist mein Vater verstorben, zu dem ich seit 2002 leider keinen Kontakt mehr hatte.Nun geht es um die Kostenübernahme der Beerdigung. Da ich Hartz IV beziehe, kann ich die Beerdigung meines Vaters nicht bezahlen.Die nächsten Verwandten sind seine sechs Geschwister. Nun meine Frage:” Wer trägt die Kosten der Beerdigung”? Das Beerdigungsinstitut verlangt meine Unterschrift für die Übernahme der Kosten da ich die nächste Verwandte bin. Wer kann mir helfen?

16.08.06 12:17linda jelinski
Was wirft man ins Grab?
mein opa ist vor ein paar tagen verstorben und morgen findet die beisetzung statt. wir haben uns für blütenköpfe UND sand am grab entschieden, weil wir das schöner finden. jetzt weiß ich aber nicht, wie das dann abläuft mit dem hineinwerfen des sandes/der blüten ins grab. ich weiß, dass es üblich ist, drei hände voll sand hineinzuwerfen, wenn man nun aber blüten hineinwirft, tut man das dann auch 3 mal oder nur eine hand voll blüten. ich bitte um eine schnelle antwort von leuten, die das wissen. danke

21.05.06 13:36Wolfgang Hellfrisch
Woher kommt das Wort “Raue” für Leichenschmaus?
Albrecht Paschke, Mülheim, NRW schrieb: Wer kann mir erklären, woher das Wort “Raue” für Leichenschmaus  kommt? Es ist im Ruhrgebiet gebräuchlich. Ich bitte um Antwort an meine e-mail-Adresse. Danke! Mich würde interessieren, ob Sie in dieser Sache weiter gekommen sind. Ich selbst bin auf der Suche nach der Herkunft des Begriffes Räu für Beerdigungskaffee, der vermutlich mit Raue verwandt ist. Ich hörte ihn bei dem am Niederrhein tätigen Kabarettisten Hotte Jungbluth, der aber auch keine Erklärung für die Herkunft hat. Im Internet fand ich den Ausdruck nur einmal in einem Beitrag des Geschichtsvereins Bedburg, der ihn als erftländischen Dialekt bezeichnet. Leider funktionieren die beiden genannten eMail-Adressen des Vereins nicht, so dass sich diese Spur verläuft. mfG Wolfgang Hellfrisch

13.04.06 23:08Lothar
Zu dem Wort “Raue”
Das ist genau die Frage, mit der ich gerade das Internet durchsuche. Bei der letzten Beerdigung mit anschließender Raue in Mülheim kam diese Frage auf und keiner, der vielen alten Mölmschen, konnte diese Frage beantworten. Hat die Anfrage von 2005 zu Ergebnissen geführt ? Würde mich über Nachricht freuen.

20.09.05 02:52Thomas Langner
Wenn der Sarg ins Grab hinabgelassen wird
Ich habe schon einige Beerdigungen miterlerbt und kann aus Erfahrung sagen daß besonders der letzte Gang ans Grab mit der schwerste Gang ist. Denn es ist der letzte “Kontakt” mit dem Verstorbenen. Als besonders tröstend empfand ich es wenn durch ein live gespieltes Soloinstrument; z.b. der Trompete oder dem Flügelhorn eine Melodie oder auch ein Lieblingsmusikstück des Verstorbenen gespielt wird. Beim herablassen des Sarges wird der schwerste Schmerz des Verabschiedens gespürt. Durch tröstende Musik wird den Trauernden das Gefühl eines würdigen Abschiedes gegeben. Vielleicht können mir Hinterbliebene mitteilen mit welcher Musik sie tröstende Momente erfahren haben. Mit freundlichen Grüßen Thomas Langner

17.10.06 04:46Thomas Langner
Trompete oder Soloinstrumente
hallo karl, aus unerfindlichen Gründen habe ich erst jetzt nach einer “Ewigkeit” deinen Beitrag gelesen. Besuch mich doch einfach auf meiner homepage und nimm darüber für weitere Fragen Kontakt mit mir auf. Gerne beantworte ich Dir weitere Fragen. www.trompetespielen.de Mit freundlichen Grüßen Thomas
 

Beitrag 4435
Datum: 19.2.2003
Von: AminaOnwu@aol.com, Amina A. Onwu
Gestaltung der Grabsteine
Liebe Interessierte, 
ich würde mich freuen, wenn Sie Ihr Foto mit den Grabsteinen (“gepflegte Langeweile”) mit einigen Beispielen aus der Ausstellung KONTRASTE-GRABZEICHEN DIE SICH ABSETZEN auf dem Freiburger Hauptfriedhof ergänzen würden (Fotos unter www.sepulkralmuseum.de). Ein Grabstein sollte soviel Individualität zeigen wie dem Verstorbenen eigen war (sinngemäß nach Jörg Bollin, Initiator und Künstler der Ausstellung). 

Zu Ihren Beiträgen der Friedhofsverwaltungen kann ich nur soviel sagen, wenn sich alle Beteiligten diese große Mühe gemacht haben, den Menschen den Tod und ihre Toten wegzunehmen, warum wundern sie sich dann über die daraus entstandene Entwicklung? Wer andern eine Grube gräbt …. paßt ja nirgendwo besser als in diesem Zusammenhang. 

P.S. Kontraste findet noch statt bis zum Sommer 2003, Termine unter www.freiburg-kultour.com oder www.sepulkralmuseum.de, Kataloge sind im Museum erhältlich (€uro 7,70 + Porto, SK-Preis, nichts Kommerzielles!). Ich wünsche den Regionen, in denen Sie leben eine vergnügliche Friedhofsrevolution. 
 

 

 

Beitrag 625

Datum: 29 Mar 1999

Von: parkmensing@netsgo.com, Katrin Mensing

Beerdigung in Korea 

Frau Misuk Tschoae aus Taejon, Suedkorea schreibt:

So sieht eine traditionelle Beerdigung in Korea aus. Nach dem Tod sendet die Familie Trauerkarten an die Verwandten und Bekannten oder zeigt den Tod in der Zeitung an.

Dem Leichnam werden kurz nach dem Tod die Augen zugedrueckt, die Arme und die Beine ausgestreckt und das Gesicht, die Haende und die Fuesse mit Alkohol sauber gemacht. Die Familie des Toten legt den Kopf des Leichnams nach Osten unter ein Nordfenster in einem Raum des Hauses des Verstorbenen. Vor den Leichnam wird eine weisse Stellwand gestellt, vor diese ein kleiner Tisch. Der Tisch wird mit weissem Papier bedeckt. Auf dem Tisch steht Essen, das jeden Tag ersetzt wird. Ein grosses Bild des Verstorbenen in einm schwarzen Rahmen mit einer schwarzen Schleife wird auf den Tisch gestellt. Links und rechts neben dem Bild wird je eine Kerze angezuendet. Vor dem Tisch mit dem Bild und den Speisen wird ein kleinerer Tisch gestellt mit einem Raeuchergefaess und Raeucherwerk, das waehrend der Zeremonie fuer den Toten angezuendet wird und abbrennt. Vor den Tischen verbeugt sich die Familie. In der vorderen Reihe knien die Maenner, dahinter die Frauen. Diese Zeremonie dauert in der Regel ! 3 Tage, dabei klagen die Trauergaeste ‘Eigo, Eigo’. Diese Klagerufe dauern waehrend der dreitaetigen Zeremonie an. Waehrend der Zeremonie erleuchten Laternen den Eingang und das ganze Haus. Die Familie wacht bei dem Toten, die Trauergaeste nehmen Abschied von ihm. Waehrend dieser Zeit wird den Gaesten Essen, Getraenke und Alkohol geboten. 

Nach drei Tagen wird der Tote in einen Sarg gelegt. Davor wird er noch einmal gewaschen und alle Loecher werden zugestopft. Der Tote wird in saubere Hanfkleidung gekleidet, dabei duerfen keine Traenen auf die Kleidung fallen. Danach wird dem Toten ein bisschen Reis in den Mund gesteckt, seine letzte Mahlzeit, und er wird 7-mal in ein Leinentuch gewickelt. Der Boden des Sarges wird mit Matten und einm Kissen ausgelegt. Darauf wird der Leichnam gelegt und mit einer Decke zugedeckt. Auf den Sarg deckt man ein grosses Tuch, auf dem der Name des Toten geschrieben steht. Bis zur Abfahrt zum Friedhof bleibt der Sarg hinter der Stellwand. Die Frauen der Familie des Toten tragen weisse Kleider, die Maenner schwarze Anzuege mit einer hellen Armbinde aus Hanf und einem Hanfhut. 

Die Trauergemeinde faehrt mit dem Sarg zum Friedhof. Friedhofe liegen meist auf dem Berg. Der Sarg wird auf einer Bahre zum Grab getragen. Diese Bahre ist in bunte Tuecher gewickelt und wird von 6-8 Leuten getragen. Vor der Tragbahre geht entweder der aelteste Sohn oder der aelteste Enkelsohn mit dem Bild des Toten in der Hand. Die Trauergaeste und die Familie gehen hinter dem Sarg und klagen auch jetzt ‘Eigo Eigo’. Der Sarg wird in das Grab gelegt, auf ihn werfen die engsten Verwandten und die Familie weisse und gelbe Chrysanthemen. Das Grab wird zugeschuettet und darauf ein Erdhuegel errichtet, der mit Gras bepflanzt wird. Nach der Beerdigung trinken und essen alle zusammen. Nach drei Tagen wird vor dem Grabhuegel ein Grabstein errichtet. Nach der Beerdigung tragen die Maenner noch 49 Tage schwarze Anzuege und auf der linken Brust einen Trauerflor, die Frauen entweder weisse oder schwarze Kleidung und im Haar einen weissen Trauerflor. 

Eine Beerdigung in Korea kostet zwischen 5000 und 12000 DM. 
 

Beitrag 530

Datum: 10 Mar 1999

Von: redaktion@postmortal.de, Bernd Bruns

Kann eine neue Trauerkultur entstehen? 

Der Umgang mit Tod und Trauer geraet in Deutschland zunehmend in die die oeffentliche Diskussion. Der Trend zur anonymen Bestattung haelt an. Die sozialen Bindungen gehen immer mehr verloren. Trauer beim Tod eines geliebten Menschen oeffentlich zu zeigen ist nicht mehr modern. Es ist aber auch eine Sehnsucht der Menschen erkennbar, diese Entwicklung aufzuhalten und eine neue Trauerkultur fuer das 21. Jahrhundert zu etablieren. Das aber scheitert an der allumfassenden staatlichen Reglementierung in diesem Bereich. Waehrend es beispielsweise in fast allen Laendern Europas selbstverstaendlich ist, dass man die Urne mit der Asche in der Wohnung aufbewahrt oder, dem Letzten Willen entsprechend, im eigenen Garten ausstreut, ist in Deutschland fast alles verboten. Fuer Totenasche besteht hierzulande ein strikter Friedhofszwang. Dort verkommen immer mehr Graeber, weil in einer mobilen Gesellschaft sich die Angehoerigen nicht an den geographischen Ort eines Friedhofs orientieren koennen oder wollen. Was spricht dagegen, den Ort der Trauer – in Form einer Urne – transportabel zu machen, zumal die Wissenschaft laengst weis, das die Naehe zur Restsubstanz eines geliebten Menschen fuer die Trauerbewaeltigung sehr hilfreich ist? 

Dieser staatlichen Entmuendigung der Buerger will unser Internet-Projekt entgegenwirken. Der Umgang mit dem Tod darf nicht weiter ein Tabu in der Gesellschaft sein. 

Insbesondere auch fuer die auslaendischen Leser fuege ich noch einen Beitrag an, den ich jetzt fuer unser Internet-Projekt geschrieben habe: Ein unkonventioneller Seiteneinsteiger praegt das Bild eines zeitgemaessen Bestattungsgewerbes 

Von Bernd Bruns, postmortal.de Duesseldorf, 09. Maerz 1999 

Noch gilt er in der stets behutsam agierenden Branche der Bestatter eher als Aussenseiter: Fritz Roth (50) aus dem nordrhein-westfaelischen Bergisch Gladbach. Doch manche Berufskollegen betrachten ihn bereits als Vorbild. Dabei ist Roth ein Seiteneinsteiger: Erst nach zehnjaehriger Taetigkeit als Unternehmensberater, entschloss er sich Bestatter zu werden. 

Sein progressiver Ansatz, nicht die Toten in das Zentrum des beruflichen Wirkens zu stellen sondern die um sie Trauernden, erzielte bundesweite Zustimmung in den Medien. Auch seine Konzeption, im eigenen freundlich gestalteten “Haus der menschlichen Begleitung”, fernab von der trostlosen Atmosphaere herkoemmlicher Leichenhallen, den Hinterbliebenen einen fuer sie hilfreichen ausgiebigen Abschied vom Verstorbenen zu ermoeglichen, fand inzwischen Nachahmer in der Branche. 

Zu seinen Klienten zaehlen 50jaehrige Angehoerige, die in ihrem Leben nie eine richtige Leiche gesehen haben. Menschen, die den Tod nur im TV “erlebten” und bei denen irrationale Aengste nicht selten Fluchtreflexe vor dem Anblick Aufgebahrter ausloesen. Kinder, so hat der bekannte Bestatter beobachtet, sind in der Begegnung mit Toten wesentlich unbefangener. Roth, der begriffen hat, wie wichtig es fuer die Trauerbewaeltigung ist, ausgiebig Abschied vom Verstorbenen zu nehmen, wirkt wie eine Art Katalysator, der die Angehoerigen mit ihren Aengsten an die Hand nimmt und ihnen den Kontakt mit der kalten Leiche ermoeglicht. Ist so die erste Scheu ueberwunden, erweist sich die Begegnung mit dem Toten als nachhaltige Bereicherung der Besucher. 

Bei der Aufbahrung vermeidet der fortschrittliche Bestatter bewusst, die natuerlichen Leichenflecken mit Kosmetik zu kaschieren oder Menschen postmortal, wie in Amerika, als angemalte Puppen zu praesentieren. Es ist sein Anliegen, dass die Angehoerigen zum Abschied den Tod sinnlich und real wahrnehmen. Von Ausnahmen abgesehen, etwa bei praemortal verabreichten starken Medikamenten, gehoeren dazu auch die todestypischen Wahrnehmungen der Nase, an die man sich aber “schnell gewoehnt”. Auch die weit verbreitete wie voellig irrationale Angst vor dem angeblich gefaehrlichen “Leichengift” vermag Roth inzwischen mit Routine zu relativieren. 

Eine Konservierung der Leiche, die zunehmend auch in Deutschland gern teuer verkauft wird, lehnt er ausdruecklich ab. Den Thanatologen, die sich in Lehrgaengen, vorzugsweise im Ausland, die Technik angeeignet haben, dem Leichnam die Fluessigkeit zu entziehen um sie durch Formalin zu ersetzen, wird solche Haltung wenig gefallen. “Modern Embalming”, wie diese Technik neudeutsch heisst, ist bei dem modernen Roth offenbar nicht “in”. 

Selbst Leichenwaesche, wie sie in vielfaeltigen Farben und Ausfuehrungen branchenueblich angeboten wird, mag Diplom-Kaufmann Roth nur ungern verkaufen. Er raet den Hinterbliebenen, stattdessen die normale Kleidung des Verstorbenen aus dem Schrank zu holen. Es darf durchaus auch “Raeuberzivil” sein, in dem sich der Verstorbene zu Lebzeiten wohlfuehlte. Schliesslich ermuntert er die Angehoerigen noch, sich am Ankleiden des Toten aktiv zu beteiligen. Das Angebot wird immer oefter dankbar angenommen. Der Bestatter aus dem Bergischen befuerwortet auch, dass die Hinterbliebenen beispielsweise eine Flasche Bier als Beigabe neben die Leiche legen. 

Eigentlich aber ist Roth ein spezialisierter Archeologe in Sachen Bestattungs- und Trauerkultur. Er orientiert sich an dem ehemals natuerlichen Umgang mit dem Tod in vergangenen Generationen. Damals bestimmten noch die Buerger mit ihren gefestigten sozialen Bindungen die heilsamen und kraftvollen Rituale nach dem Sterben. 

Heute (und insbesondere hierzulande!) verfuegen leider kleinliche Buerokraten bis ins kleinste Detail, was am Ende – und selbst danach – zu tun oder auch zu lassen ist. Das Ergebnis dieser Reglementierungswut ist beispielhaft in einer einmalig eintoenigen neudeutschen Friedhofskultur zu beobachten, die jede Kreativitaet bereits im Keim erstickt. “Steinwuesten” nennt Roth denn auch diese amtlich verordnete uniforme Gestaltung deutscher Graeber. 

Solche einschneidenden technokratischen Fehlentwicklungen haben Folgen, die der Hamburger Fachautor Norbert Fischer, mit wissenschaftlicher Diktion, zutreffend als die “Enteignung des Todes” definiert. Bei Roth fuehren diese Realitaeten zum gleichfalls richtigen Resuemee: “Wir lassen uns die Toten stehlen!” Der Dieb, keine Frage, das ist unser aller Staat, der in diesem Bereich mit vielen unsinnigen Bestimmungen die totale Bevormundung seiner Buerger betreibt. Aber, so verkuendete Roth – mit einem weisen Laecheln – juengst, in einer Fernsehsendung bei Fliege: “Der Tod ist der Lehrmeister des buergerlichen Ungehorsams”. 

Der ruehrige Roth hat fuer den zukuenftigen Umgang mit Tod und Trauer schon konkrete Visionen: Er denkt an die Einrichtung einer “Trauerhospiz”, in der alle mit dem Tod Befassten eng zusammen arbeiten. Vorerst gruendete er aber schon mal alleine eine private Trauerakademie. 

Zusammen mit der freien Journalistin Sabine Bode hat Roth jetzt auch ein Buch geschrieben: “Der Trauer eine Heimat geben”, erschienen im Gustav Luebbe Verlag. Es wird berichtet von den ergreifenden Erfahrungen in seinem “Haus der menschlichen Begleitung”. Das Buch zu lesen ist ein Gewinn. 

 

Beitrag 512

Datum: 10 Mar 1999

Von: redaktion@postmortal.de (Bernd Bruns)

Der Tod in Deutschland oder die Enteignung des Todes 

Der Tod und der Umgang mit den Toten im religioesen und gesellschaft- lichen Kontext praegt bis in die heutige Zeit die Kulturen der Voelker. Jedes Volk hat eine eigene tradierte Bestattungskultur, die leider auch dem technisch-buerokratischen Hang zur Normung und Verrechtlichung zugaenglich ist. 

In keinem Land der Erde – wen wundert es – wird der Umgang mit den Toten durch staatliche Rechtsnormen so kleinkariert und umfassend reglementiert wie in Deutschland. Die Verrechtlichung des Todes, die Normierung des Bestattungs- und insbesondere des Friedhofswesens – und die damit verbundene totale Entmuendigung der Buerger – hat hierzulande ein Ausmass angenommen, das mit einer freiheitlich demokratischen Grundordnung weniger kompatibel ist als mit den sympthomatischen Zustaenden in despotischen Diktaturen. 

Fuer die elementarsten Aeusserungen menschlicher Handlungsfreiheit ist im deutschen Bestattungsrecht kein Platz. Der Letzte Wille des Verstorbenen bezueglich seiner eigenen Bestattung hat hierzulande de facto keinen Stellenwert. Und auch die Wuensche und berechtigten Beduerfnisse der trauernden Hinterbliebenen werden durch das geltende Recht ignoriert. 

Ein Aergernis ist insbesondere das herrschende Recht der Feuerbestattung. Hier wurde im Nachkriegsdeutschland weitestgehend die Nazi-Gesetzgebung fortgeschrieben, die – wie in Nordrhein-Westfalen – auch heute noch woertlich gilt. 

 

Beitrag 510

Datum: 9 Mar 1999

Von: ukegel@new-wen.baynet.de (Udo Kegelmann)

Unterrichtsprojekt zum Thema Sterberituale 

Sehr geehrte Frau Montenegro, 

ich bin Berufsschullehrer in Bayern und erarbeite derzeit in Projektform das Thema ‘Sterberituale in anderen Kulturen’. Koennten Sie mir und meiner Klasse weitere Informationen zu diesem Thema vor Ort oder weitere interessante Links zukommen lassen ? Wir waeren Ihnen aeusserst dankbar. 

Mit freundlichen Gruessen, 

Udo Kegelmann ukegel@new-wen.baynet.de 

 

Beitrag 234

Datum: 30 Oct 1998

Von: W_hieber@web.de (Anwort auf Beitrag 231)

Die neuen Trends der Trauerkultur 

Der Zufall will es, dass genau heute in der AZ Muenchen ein Zeitungsartikel auf die neuen Trends im Bestattungsgewerbe eingeht: “Jenseits der Stille …’ – Immer mehr gehen mit Elton John oder Wagner auf die letzte Reise’, 30.10.98. Daraus kurz die folgenden Informationen: 

Bei Trauerfeiern erlebt derzeit die Musik als Trauerhilfe einen richtigen Boom. Musik, weniger die Worte eines Geistlichen oder Grabredners, soll Gefuehle ausloesen. So geben sich die Leute bei Trauerfeiern nicht mehr mit den ueblichen eintoenigen Harmoniumsklaengen zufrieden. Die Aussegnungshallen der Grossstaedte sind daher heute mit perfekter Tontechnik ausgestattet, und die Friedhofsverwaltungen haben ein ganzes Arsenal an CDs anzubieten. Beim Muenchner Bestattungsamt sind 5000 Titel vorraetig, und alle 15 Friedhoefe der Stadt sind fuer die rund 14 000 Trauerfeiern im Jahr mit konzertreifen Stereoanlagen ausgeruestet. 

Je nach Geschmack, entscheidet man sich mehr fuer U-Musik (Unterhaltungsmusik) oder E-Musik (ernste, klassische Musik). Aber auch die Mischung ist moeglich, z.B. leicht verjazzte Bachfugen oder das Ave Maria in allen Variationen. Bei der U-Musik waechst das Angebot und die Nachfrage staendig. Seit der Trauerfeier fuer Prinzessin Diana steht Elton Johns Song “Candle in the Wind’ in den Trauer-Charts ganz oben. Er hat Frank Sinatras “My way’ oder “Yesterday’ von den Beatles ueberrundet. Weitere sehr beliebte Songs bei Trauerfeiern: “Good by Johnny’, das Trompetensolo “Il silentio’, Andrea Bocellis “Time to say good bye’ oder dezenter Glenn-Miller-Sound. 

Bei der E-Musik sind traditionell Choraele oder barocke Orgelmusik ueblich. Aber auch Wotans Abschied und Feuerzauber aus “Walkuere’ erfreut sich besonderer Beliebtheit. Noch gefragter aber sind der Gefangenenchor aus Verdis “Nabucco’ und das Vorspiel zu “La Traviata’. Wer lieber Live-Musik moechte und mehr bezahlt, engagiert sich z.B. ein Streichquartett. Oder er kann gar ein komplettes Requiem mit Solisten von der Oper auffuehren lassen (haeufig bei Prominenten-Beerdigungen). So ein musikalisches Aufgebot kostet allerdings zwischen 12000 und 25000 Mark (von der CD kostet ein Song 50 Mark). 

Zur Frage, welche Blumen besonders beliebt sind: soweit ich weiss, besonders Rosen, Nelken und Lilien. 

 

Beitrag 231

Datum: 30 Oct 1998

Von: ad00d01@mailedu2.ipc.kanazawa-u.ac.jp (Shoko SATO)

Welche Musik wird gespielt? Welche Blumen sind gebräuchlich?

Hallo, das Thema ‘Rituale und Feste’ ist fuer ich sehr interressant und ich habe daueber einige Fragen. 

Auf der Seite ‘ Beerdigungritus’ steht : bei der Beerdigung wird Musik gespielt und Blumen werden in den Sarg hineingelegt. 

Welche Musik wurde am liebsten gespielt und welche Blumen sind fuer eine Beerdigung benutzt? 

In Japan ist fast keine Musik bei der Beerdigung gespielt und fuer Toten werden bestimmte Blumen genommen( z.B. Chrysanthemun) 

 

Beitrag 228

Datum: 26 Oct 1998

Von: elvatong@netvigator.com (Elva Tong)

Beerdigungsritus in HK 

In HK wird der Beerdigungsritus normalerweise nach der buddhistischen oder taoistischen Art gehalten. Gleich nach dem Tod des Verstorbenen muss man fuer ein paar Tage eine Halle in einem Leichenschauhaus fuer die Zeremonie mieten.

Waehrend der ganzen Zeit der Trauerfeierlichkeit wird der Sarg in die Innenhalle gestellt, die von der Aussenhalle mit Glasfenstern getrennt ist. Draussen in der sogenannten Haupt-Halle wird ein Altar fuer den Verstorbenen an einem Ende der Halle hergerichtet . Darueber ist meistens nur ein Bild von ihm. Zum Andenken wird oft ein gereimtes Gedicht oder eine Aussage, die das Leben des Verstorbenen zusammenfasst, auf eine Wolldecke oder sogar ein Banner genaeht, das neben dem Altar haengt. 

Bei einer chinesischen Bestattung schicken die Trauergaeste meistens Kraenze. Um ihr Beileid auszusprechen, werden die Kraenze oder Blumen genauso bestellt und in die Halle geliefert, auch wenn man keine Zeit hat, auf der Zeremonie zu erscheinen. Darueber hinaus ist es ueblich, bei einem solchen traurigen Anlass an die Familie des Verstorbenen Bestattungsgeld zu geben, das man in einen weissen Umschlag tut. Und zwar muss der Betrag eine ungerade Zahl sein, die nach chinesischer Sitte oft im Zusammenhang mit Unglueck steht. Vermutlich weist eine ungerade Zahl darauf hin, dass etwas fehlt! 

Bei dem Ritus sitzen alle unmittelbaren Angehoerigen, die weissgelbe Trauerkleider tragen, auf den Knien am Boden links in der Halle, und erwarten Trauergaeste. Die Gaeste sind meistens die Freunde, Bekannten oder Verwandten des Verstorbenen. Waehrend der ganzen Zeremonie wird buddhistische oder taoistische Musik von einer Musikgruppe, die auf der rechten Seite der Halle sitzt gespielt. Wenn die Gaeste in der Halle ankommen, muessen sie sich zuallererst in das ‘Empfangsheft’ beim Eingang eintragen und das Bestattungsgeld gleich an die Familie des Verstorbenen geben. Dafuer bekommen sie von der Familie eine kleine weisse Tuete, in der ein Bonbon, eine Muenze und ein weisses Tuch stecken. Dadurch koennen die Gaeste hoffentlich die Trauer und das Pech abwehren, was sie hinterher nicht nach Hause bringen sollen. Dann treten sie vor den Altar, nach Anweisung eines Moenchs, der den Bestattungsritus haelt, und verneigen sich 3 mal. So nehmen die Angehoerigen des Verstorbenen ! das Beileid entgegen. Als Dank dafuer muessen sich die Angehoerigen dann auch vor den Gaesten verneigen. Nach meiner Erfahrung schafft die buddhistische Musik anstatt einer friedlichen Atmosphaere mehr Unruhe und Trauer. Darum vermeiden manche Leute, auf eine traditionelle chinesische Bestattung zu gehen. 

Weil es in HK an Platz mangelt, laesst man meistens die Leiche des Verstorbenen verbrennen. Ein Teil der Asche oder viel davon bewahrt man in einer Urne auf, die nachher entweder an einen Platz, den die Angehoerigen bei einem chinesischen Tempel gekauft oder gemietet haben, gestellt, oder nach Hause gebracht wird. 

Nach der Beerdigung trifft man sich bei einem Leichenschmaus. Bei diesem Schmaus werden normalerweise sieben Gaenge bestellt, die meisten davon sind Gerichte, die der Verstorbenen waehrend seiner Zeit im Leben oft mochte. Wie man wieder auf eine komische Zahl-sieben-kommt, ist mir noch ein Raetsel! Wahrscheinlich liegt es an dem Aberglauben der Chinesen, die glauben, diese Nummer hat oft mit negativen Anlaessen zu tun. Es klingt komisch, denn ein Platz mit Besteck ist auch fuer ihn am Tisch reserviert, auch wenn er nicht dabei ist. Man glaubt und hofft, dass er mit den Angehoerigen das Essen auch geniessen koennte!
 

7.10.98, Eric Aspi, Philippinen,
Betreff: Bestattung, Die traditionelle philippinische Trauerfeier

Ein Begraebnis ist ueberall ein Tag zum Trauern. Das gilt besonders auf den Philippinen. Bei uns traegt niemand rote Kleidung waehrend des Trauerfeiertages, weil die Farbe Rot das Symbol fuer Glueck ist.

Weil die Mehrheit der Filipinos katholisch ist, bleibt der Sarg in der Kirche, bevor er zum Friedhof gebracht wird. Eine Messe wird fuer den Verstorbenen gehalten, und dort gibt der Priester den letzten Segen. Nach der Messe halten Verwandte oder Freunde des Verstorbenen ihre Lobrede. Sie sagen zum Beispiel was fuer ein Mensch der Verstorbene war. Natuerlich sagen sie nur Gutes ueber ihn. Die Freunde tragen den Sarg zum Leichenwagen. Normalerweise tragen die Verwandten den Sarg nicht, weil sie glauben, dass es Pech bringt. Der Leichenwagen faehrt zum Friedhof und die Verwandten und Freunde folgen ihm zu Fuss. Auf dem Friedhof wird der Sarg noch einmal geoeffnet, damit die Verwandten und Freunde den Verstorbenen zum letzten Mal anschauen koennen. Danach wird der Sarg in das Grab hinabgelassen, und die Verwandten werfen Blumen oder Erde, bevor es geschlossen wird. 

 

6.10.98, Binggoy de Ocampo,
Bestattung auf den Philippinen

Es ist eine Tatsache, dass Filipinos aberglaeubisch sind. In jedem Aspekt ihres Lebens gibt es Aberglauben, die zu einer bestimmten Gelegenheit passen. Und Todesfaelle sind keine Ausnahme.

Von dem Moment an, in dem jemand stirbt, bis zu seiner Beerdigung gibt es Dinge, die die hinterbliebene Familie erledigen muss.

Es gibt hauptsaechlich zwei Gruende fuer diese Aberglauben. Erstens versuchen sie, eine ‘Reihe von Todesfaellen’ und eine Wiederholung des Ungluecks innerhalb der Familie, oder manchmal von Aussenstehenden, zu verhindern.

Man muss sich hier daran erinnern, dass der Verstorbene (auf dem Land, nicht in der Stadt) oft in seinem Haus aufgebahrt wird.

Uebliche Braeuche sind: Man muss einen gebrochenen Rosenkranz in die Hand des Verstorbenen legen. Niemand darf duschen oder baden und das Haus putzen, waehrend die Leiche im Haus ist. Die Familie darf sich bei den Gaesten nicht bedanken oder sie zur Tuer bringen. Bevor die Leiche das Haus verlaesst, muessen schwangere Frauen zuerst das Haus verlassen. Aber wenn die ganze Trauerprozession versammelt ist, dann muessen alle der Prozession folgen. Niemand darf vor der Leiche den Friedhof erreichen. Nachbarn und Leute, die am Weg der Prozession wohnen, duerfen nicht feiern oder eine Party geben. Passanten werfen Muenzen fuer Glueck und hoffen, dass der Verstorbene fuer sie beten wird.

Zweitens verhindern diese Aberglauben, dass der Verstorbene zurueckkehrt. Es ist ein bisschen ironisch, dass gerade die Leute, die um den Verstorbenen weinen, alles tun, um sein Gespenst zu meiden.

Wenn die Leiche hinausgebracht wird, werden alle Fenster im Haus geschlossen, bis die Trauerprozession weit weg ist. Bevor der Sarg in das Grab hinuntergelassen wird, werden Kinder darueber getragen. Und als eine letzte Vorsichtsmassnahme schlaeft die Familie mit roter Kleidung unter einer roten Decke.

Es gibt einen dritten Grund, der vielleicht am wichtigsten ist. Aberglauben helfen Verwandten und Freunden des Verstorbenen, die schlechte Erfahrung zu ueberstehen. Sie denken an nichts und muessen nur folgen bis zur richtigen Zeit, wenn sie der Wahrheit ins Auge sehen koennen. 

 

26.9.98, Daisy Chau, Hong Kong, China,
Bestattung in Hongkong

In meiner Erfahrung sind sich die Beerdigungsrituale aller Laender in gewissem Masse aehnlich. Man kann sich bei einem Beerdigungsinstitut, das den Grossteil aller weiteren Aufgaben nach dem Tod uebernimmt, erkundigen und Rat bekommen.

Nur fuer Bestattungen in westlichem Stil braucht man einen Pfarrer, sonst kuemmert der Zustaendige des Beisetzungsinstituts sich um alle Bestattungsarrangements.

Die allernaechsten Verwandten des Verstorbenen waehlen die Bestattungsart, entweder Feuer- oder Erdbestattung. Heutzutage zieht man Erstere vor, weil man dadurch Geld und Platz sparen kann. Hier bestellt man selten Musik, die bei der Zeremonie gespielt wird.

In Deutschland schickt man Benachrichtigungskarten an die Verwandten und Bekannten, aber wir teilen anderen meistens solche Nachrichten telefonisch (fuer die Verwandten) oder in der Zeitung (fuer die Oeffentlichkeit) mit.

Wenn die Trauergaeste den Verwandten Bestattungsgeld geben moechten, um ihr Beileid auszusprechen, muessen sie eine ungerade Summe geben, z.B. $501/$1,001 fuer Beisetzung (aber z.B. $500/1000 zur Hochzeit oder zum Geburtstag). Anschliessend bekommen die Gaeste einen weissen Umschlag (roten Umschlag fuer Neujahr), der eine Muenze, einige Sussigkeiten und ein kleines weissens Tuch enthaelt. Mit dem Tuch kann man Traenen trocknen, das Bonbon soll Unglueck vertreiben und das Glueck zurueckbringen.

Die Geste, bei der die Gaeste sich von dem Verstorbenen verabschieden, indem sie vor das Grab treten, sich verneigen, Blumen oder Erde werfen, ist bei uns nicht fremd, weil die von aller Welt gemacht wird.

Es ist immer ueblich, sich nach der Beerdigung mit den allernaechsten Verwandten in einem chinesischen Restaurant zusammenzusetzen. Man muss in der Regel sieben Gerichte bestellen. (Normalerweise machen wir das nicht, besonders auf einer Hochzeit oder Geburtstagsparty. Wenn man auf Kantonesisch ‘sieben Essen’ sagt , dann hat es irgendetwas mit Tod zu tun.) Die meisten aelteren Leute glauben, dass es Unglueck bringt, wenn man zu einer Bestattung oder in ein Leichenschauhaus geht. Deshalb soll man, wenn man von dort zurueckkommt, ueber ein kleines Feuer (in einem Blecheimer) vor seiner Haustuer steigen, um das Unglueck zu verbrennen und zu vertreiben. 

 

24.9.98, Elizabeth Montenegro, Manila, Philippinen,
Bestattung auf den Philippinen

Wenn frueher jemand in den Philippinen starb — und damals starb man normalerweise zu Hause –, sagte die Familie des Verstorbenen sofort dem Stadtrat Bescheid, der einen Arzt und den Stadtleichenbestatter rufen liess. Der Arzt wies mit einem Totenschein aus, dass diese Person vom medizinischen Standpunkt aus wirklich tot war.

Der Leichenbestatter kuemmerte sich darum, dass die Leiche zum Leichenschauhaus gebracht wurde und bereitete sie vor, bevor sie in den Sarg gelegt wurde. Wenn die Leiche des Verstorbenen zu Hause lag, haengte die Familie ein schwarzes Tuch an die Wand vor dem Haus auf um bekanntzumachen, dass jemand unter ihnen gestorben war.

Die Verwandten und Freunde des Vestorbenen beteten am dritten, neunten und vierzigsten Tage nach dem Tod, damit seine Suenden vergeben wuerden und er leicht in den Himmel gehen konnte. Im Durchschnitt lag die Leiche drei Tage lang zu Hause, bevor sie begraben wurde, oder laenger, wenn die Familie mehr Geld fuer die Beerdigung brauchte.

Nach und nach haben sich diese Gewohnheiten geaendert. Heute stirbt man sehr oft im Krankenhaus. Wenn man aber zu Hause stirbt, wird man sofort ins Krankenhaus gebracht. Dann kuemmert sich das Krankenhaus darum, einen Leichenbestatter anzurufen. Die Gebete haben die Filipinos noch behalten, besonders bei traditionell gesinnten Familien. 

 

23.9.98, Cheuk-man Lok, Hong Kong,
Bestattung in Hongkong

In der Trauerhalle

Es ist 20.00 Uhr, als ich in der Trauerhalle ankomme. Der Vater eines guten Freundes von mir ist gestorben. Mein Freund ist schon da, glaube ich, seit 17.00 Uhr, mit seiner Familie. Zwei Waende sind fast ganz von Decken verdeckt, die den Angehoerigen geschenkt wurden, und auf denen sich lobende Worte finden. Ich gebe der Rezeption einen Umschlag, in dem ein Geldbetrag ist, der ungerade sein muss. Ich trage mich auch auf eine Liste ein.

In der Mitte der Trauerhalle versammeln sich fuenf Nonnen. Eine setzt sich auf ein hohes Podest in der Mitte, die uebrigen formen um sie einen Kreis. Sie sprechen monotone Gebete und spielen monotone Instrumente. Ich gehe an den Nonnen vorbei und mache noch ein paar Schritte, um mich dem Altar zu naehern, auf dem ein Bild des Verstorbenen steht. Da bleibe ich und warte auf den Angestellten. ‘Erste Verbeugung, zweite Verbeugung, dritte Verbeugung,’ spricht er laut. Nachdem ich mich dreimal verbeugt habe, gibt er den Angehoerigen noch eine Anweisung. Diesmal verbeugen sich die Angehoerigen, die schon knien, um mir zu danken. Dieser Ablauf wiederholt sich den ganzen Abend fuer jeden Besucher. Manchmal tun sich mehrere Besucher zusammen, damit es fuer die Angehoerigen nicht so anstrengend wird. Ich sage meinem Freund und seiner Familie ein paar einfache Worte, kondoliere ihnen und verlasse die Trauerhalle. 

 

14.5.98, Katrin Mensing, Südkorea,
Beerdigungen in Korea?

Guten Tag, ich behandle gerade mit meinen Studenten das Thema Beerdigung in Deutschland. Haetten Sie Interesse an der Darstellung einer koreanischen Beerdigung? Wenn ja, mailen Sie mir kurz. Gruesse aus Suedkorea, Katrin Mensing 

 

20.2.98, Wolfgang Hieber, Betreff: Bestattung/
Antwort auf Frage Urnenbestattung, Nicht erlaubt

Nach Auskunft von Herrn Zwack, Städtisches Bestattungsamt München, wird eine Urne nur zur Bestattung auf einem Friedhof freigegeben. Eine Aufbewahrung in Wohnungen, bzw. eine Beisetzung auf einem Privatgrundstück ist daher nicht möglich. Einzige Ausnahme: Wenn in langer Tradition eine Privatkapelle oder ein privater Friedhof (bei größeren Gutshöfen) vorhanden ist, kann eine Sondergenehmigung erteilt werden. 

 

15.2.98, Peter Richter,
Darf man in Deutschland die Urne mit der Asche der Verstorbenen zu Hause aufbewahren?

Anfrage zum Thema Bestattung in Deutschland: Ist es moeglich, die Urne mit der Asche der Verstorbenen im eigenen Haus aufzubewahren? Wie sind solche Fragen gesetzlich geregelt?