Friedhofsangestellter, (München, Ostfriedhof):
"Sie haben oft mit Angehörigen zu tun, die in der Familie gerade
einen Todesfall hatten. Wie gehen Sie mit diesen Leuten um?"
"Ja, das ist nicht leicht. Die Leute sind sehr aufgeregt. Man muß
sie schonend behandeln und sich etwas in ihre Situation hineinfühlen.
Aber jeder Sterbefall ist anders.
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"Gibt es manchmal Schwierigkeiten mit Angehörigen?"
"Nein, eigentlich nicht. Nur früher war es so, daß man
Angehörige immer davon abhalten mußte, den Verstorbenen im geöffneten
Sarg aufzubahren. 90 % der Angehörigen wollten das. Und oft war der Leichnam
nicht mehr in einem entsprechenden Zustand, um ihn noch ansehen zu können." |
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"Und wie ist das jetzt mit offenen Aufbahrungen?"
"Jetzt - im Vergleich zur Zeit vor 20 Jahren etwa - ist es genau
umgekehrt: 90% aller Angehörigen wollen keine offene Aufbahrung. Sie
wollen auf keinen Fall, daß der Leichnam offen zu sehen ist. Er kommt
in die Leichenhalle, jeder mit Namensschild in ein eigenes Abteil, das
vorn von einer Glasscheibe abgetrennt ist. Und der Sarg bleibt meist geschlossen".
"Was hat sich denn sonst noch geändert in letzter Zeit?"
"Die meisten Menschen sterben heutzutage nicht mehr zu Hause, sondern
im Krankenhaus oder in Altenheimen. Von dort kommt in der Großstadt
meist der Leichenwagen zum Friedhof. Und noch etwas hat sich geändert:
die Feuerbestattungen nehmen immer mehr zu. Sie liegen hier bereits über
50%. Der Platz für Gräber ist in den Großstädten knapp.
Auch die Grabgebühren und die Kosten für Grabpflege sind ziemlich
hoch." |