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Intensivstation

Schwere Tage im Krankenhaus

Walter R. (54 Jahre, Gymnasiallehrer, München):
"Meine Mutter hat uns um sechs Uhr früh angerufen und mitgeteilt, daß mein Vater - kurz vor seinem 80.Geburtstag - eine schwere Gehirnblutung erlitten hat. Er ist noch nicht sofort gestorben. Der Notarzt ist gekommen, und der hat den Schwerkranken umgehend ins Krankenhaus nach Rosenheim überwiesen. Er war dort dann in der Intensivstation, und ich bin - zusammen mit meiner Frau und den Kindern - mittags gleich zu ihm rein. Wir haben auf den zuständigen Arzt gewartet, und der eröffnete uns Angehörigen, wie es um meinen Vater steht.

In unserem Fall ist das wirklich sehr einfühlsam gemacht worden, und gleichzeitig hatte man das Gefühl, daß dieser Arzt nicht den Tatsachen ausgewichen ist. Auch im nachhinein muß ich sagen: Er hat es gut gemacht. Er meinte, wenn die Sache vom Medizinischen her gut verläuft, kann die Blutung gestoppt werden, und mein Vater werde - aber sicher als Pflegefall - noch Wochen, Monate oder noch länger weiter leben können. In drei Tagen, so sagte er, würde sich das entscheiden. Andernfalls, wenn die Blutung nicht gestoppt werden kann oder andere Komplikationen dazukommen, müsse man mit dem Tod rechnen. Die Chancen stünden so 50 zu 50. Er machte uns die Lage sehr deutlich: einerseits die Überlebenschance, andererseits gleichzeitig die Nachricht, daß mein Vater - auch wenn er diese kritische Phase übersteht - ein Leben führen wird, das sowohl für ihn wie auch für uns die Katastrophe bedeuten würde. Wir wußten also überhaupt nicht, wie nun das alles weitergehen sollte. Gut, daß mein Vater - wie der Arzt sagte - in einem Zustand war, in dem er keine Schmerzen leiden mußte. Das war uns auch sehr wichtig.
Aufgefallen ist uns in dieser Situation im Krankenhaus, wie sehr darauf geachtet wurde, daß der Kranke versorgt wird, daß er gewaschen wird, rasiert wird, überhaupt: daß die Menschenwürde gewahrt wird. Ich habe das bewundert. Er ist zum Beispiel noch an Ekzemen behandelt worden. Damit hat man gezeigt:  Wir tun alles, was in unserer Kraft steht. Das Krankenhauspersonal spricht auch mit dem Kranken, obwohl er nie mehr zu Bewußtsein gekommen ist, weil das gesamte Gehirn so geschädigt war. Oft hört man nämlich: diese Todeskandidaten würden einfach abgeschoben und ganz anonym behandelt. Wir hatten nicht diesen Eindruck."

Intensivpflege im Krankenhaus

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© Wolfgang Hieber 1998-2009