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Zum Thema "Bier": "Ein Gebräu von nationalem Belang"

Wie sich Hermann Unterstöger, mit einem leichten Augenzwinkern, einige Gedanken zum Thema Bier machte.... (Auszüge aus einem Artikel der "Süddeutschen Zeitung")

Die alten Germanen ...
"...Wann und wie die alten Germanen zur Kunst des Bierbrauens kamen, ist nicht bekannt; wahrscheinlich fiel ihnen das Geheimnis einfach zu. Von ihrem Fleiß im Brauen und Trinken haben wir hingegen ein Zeugnis, nämlich die Behauptung des altdänischen Historiker Saxo Grammaticus, daß einst eine Hungersnot augebrochen sei, weil alles Korn ins Bier gegangen sei. Damit eröffnet sich der Blick auf eine der am festesten gefügten Genreszenen unserer Überlieferung: die Altvorderen, wie sie im trauten Kreise auf bärenen Fellen sitzen, die Hörner herumreichen und immer noch eins trinken..."

Reinheitsgebot ...
"...Die (aus der Rückschau wenigstens) absolute Sternstunde des bayerischen, deutschen, ja überhaupt des Bieres schlug am 23.April 1516. Damals war es ja mit der Sauberkeit des Bieres noch ein rechtes Kreuz, weil die Brauer, um es "trincklich" zu machen, vor kaum einer Zutat zurückschreckten: Ruß oder Kreide, Pech oder Ochsengalle - genug davon. Verschiedene Städte hatten lange vor besagtem Datum schon Verordnungen über die saubere Bierherstellung erlassen, wobei da und dort den ungetreuen Bierbrauern zur Strafe und Abschreckung sogar "ihr eigenes elendes Pier selber zu trincken" gegeben wurde... Hauptpunkt dieses ältesten noch gültigen Lebensmittelgesetzes ist der Passus, wonach "zu kainem Pier/ merer stückh/ dann allain Gersten/ Hopffen/ vnd wasser/ genomen vn gepraucht soll werden". Der zwischen Segensspruch und Stoßseufzer eigenartig changierende Vers "Hopfen und Malz, Gott erhalt's!" hat hier seine rechtliche Grundlage, was indessen nicht heißt, daß von 1516 an nur allerreinstes Bier produziert worden wäre. Noch anderthalb Jahrhunderte später giftet sich der Prediger Abraham a Santa Clara über eine Kategorie von Bier, die "in dem menschlichen Leib nicht besser haust als ein Regiment Husaren in einem Land..."

Überirdisches ...
"...Überhaupt scheint das Bier Irdische und Überirdische sehr erfreut zu haben, nicht zu reden von den Insassen des Zwischenreichs der Geister. Von den Zwergen über die Elben bis zur Wilden Jagd: Wer in dieser Spähre up to date sein will, spricht dem Bier zu. Goethe hat das bedichtet: wie die Hulden den Kindern "das mühsam geholte, das Bier" wegtrinken und wie der Getreue Eckhart das Mirakel zuwege bringt, daß sich das Bier in den Krügen so lange erneuert, wie die Kinder schweigen.

Daß sie für die Etablierung des Bieres beinahe so viel geleistet haben wie für die des Christenglaubens, sei den Klöstern gern attestiert. In der Tat bedurften gerade die Mönche des Bieres dringender als sonst jemand. Schließlich waren sie einerseits gehalten, die Fasten streng einzuhalten, und andererseits gab es die alte kirchliche Faustregel, daß Flüssigkeiten, die keine eigenständigen Nahrungsmittel sind, das Fasten nicht brechen. Im Sinne dieses Gebots wurde das Bier, wiewohl "flüssiges Brot", als Nicht- oder Kaum-Nahrungsmittel eingestuft, und man schritt fort in der Kunstfertigkeit sowohl seiner Herstellung als auch seines Verzehrs..."

Harte Zahlen ...
"...Sprechen wir es ruhig aus, daß auch bei der deutschen Wiedervereinigung dem Bier seine Rolle zugedacht war, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Das westdeutsche Braugewerbe partizipierte mit offen gezeigter Freude an den "Sondereffekten" des politischen Glücksfalles. Von 1971 bis 1989 hatte sich der Bierausstoß mühselig von 90 Millionen auf 93 Millionen Hektoliter hochgerackert. Dann hob er sich plötzlich über die 100-Millionen-Marke, stand im Jahr 1992 sogar bei bislang nie mehr erreichten 120 Millionen Hektolitern. Nun stagniert er auf akzeptablem Niveau, was auf einen definitiv "gesättigten Biermarkt" zurückzuführen ist. Physiologisch gesprochen, ist ein Pro-Kopf-Verbrauch von ungefähr 150 Litern im Jahr kaum noch zu steigern: Mehr geht nicht rein..."

(die Zahlen von 2004 für den jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch an Bier:
Deutschland 115 Liter
Österreich 108 Liter
Schweiz 57 Liter

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© Wolfgang Hieber 1998-2009