Sie haben 1945 Ihre Heimat Pommern verloren. Haben Sie eine neue
Heimat gefunden? "Nein. Heimat, das ist etwas, was mal sehr sehr schön war und
was immer noch schön ist. Pommern ist und bleibt meine Heimat. Auch,
wenn ich jetzt nicht mehr dort sein kann. Es ist meine einzige Heimat. Das, was in einem
tief drin steckt."
Und die anderen Orte, wo Sie nach 1945 gelebt haben? "Die sind dazugekommen. Aber das ist etwas anderes. Heimat ist da,
wo du geboren bist, wo deine ganze Familie war, wo du eine glückliche
Kindheit hattest, wo du liebevolle Eltern hattest, und wo man in die Schule
gegangen ist. Das prägt einen. Es sind die Jahre, in denen man sehr
viel aufnimmt. Diese Eindrücke bleiben."
1945-1950 wurden insgesamt 12.450.000 Deutschstämmige umgesiedelt, bzw. vertrieben.
(Quelle: Gerhard Reichling "Die deutschen Vertriebenen in Zahlen")
Sie haben dann geheiratet, hatten Kinder... "Die Kinder gehören, wie ich, zu meiner Heimat. Wir haben Jahrhunderte
da gelebt. Und sie sind Nachkommen von einem Land, das uns genommen worden
ist."
Aber die Kinder haben doch Pommern nie gekannt... "Ja, die Kinder können ja ihr eigenes Gefühl haben. Aber
für mich sind meine Kinder pommersche Kinder."
Den viel größeren Teil Ihres Lebens haben Sie in Westdeutschland verbracht... "Es bleibt überall etwas hängen. Weil man ja auch Freunde
findet. Aber die Heimat bleibt die Heimat. Also ich kann das nicht wegstecken.
Ich bin glücklich, wenn ich wieder mal da war. Oder wenn ich Menschen
um mich habe, die von dort sind und die selben Erfahrungen haben. Alle
meine Schulfreundschaften sind aus dieser Zeit. Die Freundschaften sind
fest, und wir fühlen uns über unsere gemeinsame Heimat verbunden.
Das schweißt uns ganz fest zusammen."