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Zur Person  Jakob L., Soldat
Ausbilder und Rekruten

Wie redet man sich gegenseitig an?
"Gleich in den ersten Tagen geht's im Unterricht um Dienstgradabzeichen und um richtige Anredeformen. Vorher passiert es schon mal, daß man jemanden falsch anredet. "Herr Zugführer, guten Morgen!" sage ich. Der ist aber Oberfähnrich, d.h. er hat die Offizierslaufbahn eingeschlagen. Also habe ich ihn falsch angeredet. "Wie heiße ich!?" fragt er dann. "Herr Oberfähnrich". Ja, so ist es richtig. Ich war Funker und hieß "Funker Lindemann!". Die brüllen über den Gang "Funker Lindemann!"

Passiert es, daß einer schikaniert wird?
"Das kann vorkommen. "Dummfick" sagen wir dazu, d.h. Schikane. Den Begriff verwenden auch die Ausbilder. Du wirst zu irgendwas verdonnert, ohne jede Begründung. Der Betroffene jammert dann: "Das war ja mal wieder dummfick". Aber der Ausbilder meint: "Das ist noch gar kein richtiger Dummfick im Vergleich zu früher". Früher, sagt er, war die Grundausbildung viel härter."

Sich beschweren - ist das möglich?
"Ja, im Unterricht für Politische Bildung bekommen wir auch gesagt, wo man sich beschweren kann. Zum Beispiel beim Wehrbeauftragten des Bundestags. Das ist unser Recht. Man wird nie angefasst, schon gar nicht geschlagen. Das dürfte sich kein Ausbilder erlauben. Er sagt höchstens: "Der Kragen ist nicht in Ordnung". Wenn einem die Hand ausrutschen würde, könnte sich der Rekrut sofort beschweren. Er würde den Dienstweg gehen, also erst ganz unten anfangen, direkt bei dem Ausbilder selbst: "Hören Sie mal, was haben Sie da gemacht!" Anfangs hat man tierisch Respekt vor denen, das verliert sich aber mit der Zeit."

Gibt es mal Zeit zur freien Verfügung?
"Ja, um Viertel vor sieben ca. 5 Minuten auf dem Zimmer. Mit Glück bleibt Zeit für eine Zigarette. Auf den Stuben ist Rauchen verboten, erlaubt ist es nur an den Aschenbechern am Flur. Und zwischen den Unterrichten, in den 10-Minuten-Pausen, darf man am Flur rauchen."

Mein Bericht: Militärdienst und Kriegsdienstverweigerung

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© Wolfgang Hieber 1998-2009