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Sich selbständig machen
"Ich hätte sicher als Unimog-Fahrer länger gearbeitet, wenn nicht
meine Frau mit der Idee gekommen wäre, wir sollten uns doch selbständig
machen. Wir wollten entweder eine Tankstelle pachten, mit einer kleinen
Werkstatt dazu, oder ein Lebensmittelgeschäft. Dann ist's halt ein
Lebensmittelgeschäft geworden, weil das Inserat in der Zeitung stand." |
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"Ich glaube, ein halbes Jahr haben wir gesucht, jedes Wochenende die Süddeutsche
gekauft. Da stehen ja die meisten Inserate drin, praktisch von ganz Bayern.
Wir haben gedacht, ob wir jetzt in München etwas finden - was uns
schon ganz recht gewesen wäre - oder sonst irgendwo, das war uns egal.
Wir wollten das Geschäft anschauen und wenn es o.k. ist, wollten wirs
nehmen. Das Inserat stand in unserer Lokal-Zeitung, der "Passauer
Neuen Presse", und der Laden, der zu verpachten war, lag ca. 200 km weiter
im Süden. Wir haben dort angerufen. Drei Bewerber hatten sich schon
gemeldet. Wir waren zwar die jüngsten, haben den Laden aber gekriegt.
Was ausschlaggebend war, wissen wir nicht, vielleicht, daß die Vermieter
meinten, sie könnten noch irgendwie mitmachen bei uns, sie hatten
ja früher den Laden selbst geführt. Da gab's dann auch
bald Krach: Sie dachten vielleicht, die jungen Leute biegen wir uns schon
so zurecht, wie wir sie gern haben möchten. Aber das wollten wir nicht.
Wir wollten selbstständig sein. Jeder will das. Wir wollten uns von
niemand dreinreden lassen - sonst könnte man ja auch irgendwo sonst
in die Arbeit gehen. 10 Jahre haben wir das gemacht. Ich war gewissermaßen
angestellt bei meiner Frau, sie war die Ladeninhaberin. Aus steuerlichen
Gründen".
Arbeitsalltag im Geschäft
"Ja, wie hat so ein normaler Arbeitsalltag bei uns ausgesehen? Da geht
man gleich nach dem Frühstück raus und schaut, ob schon alle
Lieferanten dagewesen sind, mit der Zeitung, dem Obst, dem Frischdienst.
Und man räumt auch schon das meiste in die Regale, bevor der Laden
aufgesperrt wird. Um 7 Uhr wird der Laden geöffnet. Etliche "Mutterln",
so Frühaufsteher-Frauen, warten dann schon vor der Tür, und wollen
pünktlich rein. Die ersten eineinhalb Stunden geht's wirklich
zu, viele Kunden kommen; dann läßt es etwas nach, und die Zeit
wird gleich genutzt, die restlichen Sachen einzuordnen, die Ware mit Preisen
auszuzeichnen. Gegen Mittag konnte man sich im Laden dann wieder kaum umdrehen,
so voll war's. Über Mittag wird der Laden zwei Stunden geschlossen.
Oft aber wurde auch während der Mittagspause Ware geliefert, und diese
Sachen mußten gleich wieder eingeräumt werden. Vor allem am
Mittwoch und Donnerstag. Das Mittagessen fiel dann knapp aus, irgend etwas
aus der Dose oder Wurstsemmeln, denn wir mußten ja möglichst
schnell die angelieferte Ware wegräumen, damit die Leute überhaupt
Platz hatten sich zu bewegen. Am Nachmittag von halb drei bis sechs ging's
wieder rund. Besonders natürlich zwischen fünf und sechs, wenn
die Leute nach der Arbeit noch schnell einkaufen kommen. Um sechs Uhr haben
wir jeweils den Laden geschlossen. Bis viertel nach sechs oder halb sieben
sollte alles aufgeräumt sein. Danach sauber machen und putzen. So
um halb acht oder acht war es eigentlich soweit, daß man Zeit hatte,
das Abendessen zu machen und sich etwas um die Kinder zu kümmern -
vielleicht noch zum Spielplatz oder noch einen Spaziergang".
Und abends noch viel zu tun...
"Zweimal in der Woche mußte neue Ware bestellt werden. Am Dienstag
z.B., da haben wir von halb neun, wenn die Kinder im Bett waren, bis so
halb zwölf die Bestellordner durchgesehen. Was wir bestellen wollten,
ist aufgeschrieben worden, während Frischdienst oder Obst unter Tag
per Telefon bestellt wurde. Oder man ist angerufen worden, was man braucht.
Das Steuerliche wurde am Donnerstag erledigt - so zwei oder drei Stunden
am Abend -, alle Rechnungen zusammenstellen, die man tagsüber so einfach
in einen Ordner abgelegt hat. Ob alles gezahlt worden ist, ob es vom Konto
abgebucht ist. Oder daß sich nichts überschnitten hat. "Edeka"
hat einfach alles abgebucht, vom Sortiment, vom Frischdienst. Aber viele
Zahlungen sind auch extra gegangen, die Pacht etwa. Oder Lieferungen von
Einzelhändlern: z.B. die Wurst kam aus Niederbayern, auch ein anderer
Obstmann ist noch gekommen, die "Bremer Fundgrube" oder Vertreter von Bahlsen
oder Teefirmen. Die kommen vorbei, stellen einem die Sachen ins Regal,
man unterschreibt den Lieferschein und später wird vom Konto abgebucht.
Das alles muß regelmäßig kontrolliert werden. Drei oder
vier Tage hat man die Ware, dann wird schon abgebucht. Da kommt es schon
mal vor, daß etwas doppelt abgezogen wird. Man muß schon dahinter
sein, sonst zahlt man nur drauf." |