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Ein neues Betätigungsfeld
"Schließlich wollte ich das, was ich in den letzten 8 Jahren
während meiner Ausbildung gelernt hatte, auch praktisch anwenden.
Ich habe mich daher nebenbei auch innerhalb der Firma nach einem
anderen Betätigungsfeld umgesehen. Ich berate jetzt Mitarbeiter und Führungskräfte der Firma.
Es geht dabei um Fragen der persönlichen Weiterentwicklung bei Führungkräften.
Die anderen Mitarbeiter kommen in die Beratung mit Problemen am Arbeitsplatz,
Konflikte mit Kollegen, Probleme in Ehe, Familie oder Partnerschaft, Schulden.
Oft sind es aber auch Schwierigkeiten mit Alkohol oder
Drogen. Suchtkranke oder suchtgefährdete Mitarbeiter machen ungefähr
30% meiner Arbeit aus. Da geht‘s meistens um Alkohol."
Suchtkranke Mitarbeiter
"Ja, wie läuft das dann? Also entweder der betroffene Mitarbeiter
kommt von selber in die Beratung oder er wird von seinem Vorgesetzten geschickt.
Normalerweise ruft der Vorgesetzte vorher erstmal bei mir an, weil er gar
nicht weiß, wie er sich verhalten soll. Ein suchtkranker Mitarbeiter
ist für einen Vorgesetzten ein sehr schwieriges Problem, und deshalb
führe ich dann zuerst mit ihm ein vorbereitendes Gespräch. Dabei
muß er dann erkennen, daß nicht ich für ihn das Problem
seines Mitarbeiters lösen kann, sondern daß er da eine ganz
wichtige Rolle spielt. Viele Vorgesetzte kommen erst einmal und meinen
: „Ich hab' da jemanden, der ist auffällig, hat viele Fehlzeiten,
verschwindet immer mal wieder für kurze Zeit während der Arbeit,
ist unzuverlässig geworden, hat sich zurückgezogen aus dem Kollegenkreis,
macht Fehler bei seiner Arbeit, bringen Sie den mal wieder in Ordnung!“
Und dann erkläre ich dem Vorgesetzten, warum ohne seine Beteiligung
und Mitarbeit garnichts laufen kann, daß so ein Beratungsprozeß
eine sehr aufwendige Sache ist, bei der auch der eine oder andere Kollege
und wenn möglich auch die Familie des Betroffenen mit einbezogen wird."
Mobbing
"Bei Konflikten am Arbeitsplatz, oder wenn's ganz schlimm wird, bei „Mobbing“,
ist es sehr schwierig, zu einer Lösung zu kommen. Besonders, wenn
es zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter nicht klappt. Da versuche ich,
die beiden an einen Tisch zu kriegen und gemeinsam einen Lösungsweg
auszuarbeiten, der für beide tragbar ist. Mediation nennt man sowas.
Aber letztlich hat der Vorgesetzte in diesem Spiel natürlich schon
immer eine stärkere Position, und oft ist es dann so, daß wir
für den Mitarbeiter eben einen anderen Arbeitplatz in der Firma suchen."
Eigenbrötler
"Konflikte zwischen Kollegen sind leichter zu lösen. Da ist zum
Beispiel dieser Mitarbeiter, der immer das Gefühl hat, daß
die Kollegen ihn meiden, nicht mit ihm reden, ihn nicht einladen, wenn's
was zu feiern gibt. Und der zieht sich dann immer mehr zurück, gibt
Informationen nicht weiter, wird immer bockiger, immer aggressiver. Und
irgendwann geht dann gar nichts mehr. Ich fange dann erstmal an, die ganze
verworrene Situation Stück für Stück zu entwirren. Oft genügt
schon der Hinweis, daß der Eigenbrötler eigentlich nur auch
dazugehören möchte. Durch seine ruppige Art hatte er aber den
Kollegen immer das Gefühl gegeben, daß er sie nicht leiden kann
– und die haben sich dann natürlich immer mehr von ihm ferngehalten."
Moderatorin
"Ich sehe meine Aufgabe auf jeden Fall so : Ich bleibe
außen vor, bin eine Art Moderatorin, versuche, Gespräche in
Gang zu bringen mit dem Ziel, daß die Beteiligten eine für sie
passende Lösung erarbeiten. Dabei muß ich vor allem verhindern,
daß es zu einer „Schlammschlacht“ kommt. Patentlösungen gibt
es leider nicht. So ein Klärungsprozess läuft jedesmal anders." |