|
Bewerbung
"Nach dem 2. Übersetzer-Examen war die Frage: Was mache ich jetzt?
Die Firma, in der mein Vater arbeitete, war in der Nähe, wo wir wohnten.
Eine Weltfirma immerhin mit vielen Möglichkeiten.
Warum sollte ich mich da nicht bewerben? Mein Vater hatte mir abgeraten,
vielleicht wollte er nicht den Eindruck von Klüngelei erwecken. Von
seiner Seite kam jedenfalls keine Unterstützung.
Also hab ich mich, ohne daß er davon wußte, hingesetzt
und einen Brief an die Personalabteilung geschrieben. Einfach ins Blaue
hinein. Und es hat geklappt. Nach einer Probeübersetzung wurde ich
eingestellt und bekam eine Stelle als Übersetzerin."
Wie in einer Ersatzfamilie
"Ich war mir damals
sicher, daß ich höchstens zwei Jahre bleiben würde, danach
vielleicht wieder ins Ausland. Unsere Übersetzergruppe arbeitete in
einem kleinen Häuschen abseits vom Firmengelände, total nette
Leute (2 Französinnen und 2 Engländer als Muttersprachler, die
anderen waren Deutsche) und eine tolle Stimmung. Zweimal am Tag kam die
Chefin zu uns und brachte Sachen, die übersetzt werden mußten.
Jeder hatte sein spezielles Fachgebiet, und die entsprechende Fremdsprache
natürlich. Es dauerte einige Zeit, bis man sich in dieses Fachwissen
eingearbeitet hatte. Ich war z.B. auf Vertragstexte, Rechtstexte und Patenttexte
spezialisiert. Also gingen solche Sachen automatisch an mich. Wirklich
ideal: Wir hatten eine Art kleine, unabhängige Firma in unserer Übersetzergruppe und
es ging lustig zu, wie in einer Ersatzfamilie. Haben viel zusammen gemacht,
gefeiert, Faschingspartys und so." |