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In der Blechgarage
- Ein anderer Onkel von mir hatte in Aachen einen Busbetrieb. Der sagte:
"Komm doch, arbeite bei mir!" Er hatte 6 Busse. Aber keine richtige Unterkunft.
Drum habe ich eineinhalb Jahre in der Garage bei ihm geschlafen, mit einer
Matratze auf dem Fußboden. Die Garage war nur aus Blech. Zu der Zeit
war es schwer, in Aachen, das schwer zerstört war, eine Wohnung zu
bekommen. Mein Onkel wohnte nebenan in einer Holzbaracke. Zuerst habe ich
bei ihm gearbeitet: die Garage erneuert, es gab viel Aufbauarbeit zu machen,
es kam immer wieder etwas anderes dazu. In seiner Baracke konnte ich essen.
Und es gab noch viele Aufräumarbeiten.
Den Führerschein machen
- Im September 1953 habe ich den Führerschein gemacht. Seitdem habe
ich in seinem Betrieb Bus gefahren. Hauptsächlich die Strecke Aachen
- Eschweiler, Aachen - Stollberg. Ich war bei ihm bis 1955. Dann habe ich
mich mit ihm verkracht. Ich würde keinem raten, zu Verwandten zum
Arbeiten zu gehen.
LKW fahren
- Danach bin ich vier Monate LKW gefahren für den Neuausbau der
Autobahn Aachen - Köln. Da wohnte ich in Aachen in einer Dachgeschoßwohnung,
nur eineTür, sonst nichts. Keinerlei Waschgelegenheit. In dieser Zeit
habe ich meine Frau kennengelernt.
Beim Städtischen Omnibus-Betrieb
- Damals, als ich bei dem Städtischen Omnibusbetrieb Aachen anfing,
waren es ca. 30 Busse. Und jetzt sind es ca. 400. Es war die Zeit, als
die Straßenbahnen auf Omnibusse umgestellt worden sind. Da gab es
noch nicht so viele PKWs. Die meisten Leute mußten mit öffentlichen
Verkehrsmitteln fahren. Morgens und abends im starken Berufsverkehr, und
bei Schichtwechsel. Heute verteilt sich das mehr.
Früher waren die Leute viel freundlicher
- Die Fahrgäste sagten früher zu mir "Guten Morgen". Heute
steigen sie ein, sind ziemlich muffelig, sagen gar nichts. Die Busse sind
früher auch feste Strecken gefahren, und da hatte man als Busfahrer
auch mehr Kontakt zu den Fahrgästen. Sie erzählten, was sie am
Abend vorher erlebt haben, was in der Arbeit los war. Man kam viel mehr
ins Gespräch. Und man war anerkannt. Meist war auch noch zusätzlich
ein Schaffner dabei, für die Fahrkarten. Ab 1959 kamen die ersten
Einmann-Wagen. Und ab diesem Zeitpunkt fing die Belastung an: Man mußte
schaffnern und fahren. 10 Leute an der Haltestelle, einer mit einem großen Geldschein zum Wechseln - das reichte schon. Das war früher alles die Aufgabe
des Schaffners. Heute zeigen sie von draußen auf die Uhr, meckern,
schimpfen. Zanken sich über den Fahrpreis. Und heute sind sie sehr
anspruchsvoll geworden: "Es zieht", sagen sie, "Im Wagen ist es zu heiß"
oder "Im Wagen ist es zu kalt". Andere beschwerten sich, der Fahrer fahre
zu ruckartig an. Früher hatte man so etwas nicht gehört. Man
war dankbarer. Nicht so verwöhnt.
Im Schichtdienst
- Bei uns gab's den geteilten Dienst: Morgens von 4 Uhr bis 8 Uhr und
abends von 5 bis 7. Dafür sonntags frei. Oder der Schichtdienst über
8 Stunden, in einem durch. Frühdienst, Übergangsdienst oder Spätdienst.
Und nur alle 7 Schichten einen freien Sonntag. Heute ist das alles ganz
anders: die Busfahrer fahren nur noch 35 Stunden.
Direktionsfahrer bei einer Bank
- Dann ergab sich die Möglichkeit als Direktionsfahrer bei einer
Bank in Aachen anzufangen. Ich habe mich schriftlich beworben, weil mir
jemand sagte, daß sie einen Fahrer suchen. Das war wieder etwas ganz
anderes. Früher hatte ich eine gewisse Freiheit. Jetzt saß immer
einer neben mir. Ein ganz anderes Gefühl. Mit Mütze dastehen,
aussteigen, die Tür aufhalten. Ich habe mich geniert mit der Mütze,
da fühlt man sich wie so ein halber Lakai. Verlangt war, immer geschniegelt
und gebügelt zur Arbeit zu kommen. Und den Wagen sauber halten - was
eben zu einem Chauffeur gehört. Erwartet wird auch, immer freundlich
zu sein. Zusätzlich hatte man auch die Familie des Direktors mit am
Hals. Für zusätzliche private Fahrten. Und dann das Warten: Wenn
der Auffsichtsrat bis nachts um 12 gefeiert hat, stand ich draußen
und mußte warten, bis die kamen. Das hat mir nicht mehr so gut gefallen.
Geldtransporte
- Nach 2 oder 3 Jahren wechselte ich innerhalb der Bank zu einer anderen
Tätigkeit: Kurierdienste für die Bankfilialen. Es ging hauptsächlich
um Geldtransporte: mal 300.000 Euro zu einem Betrieb bringen. Viel ging
da noch über Bargeld. Wenn wir Geld geholt haben, haben wir die Geldsäcke
über den Hof geworfen, und einfach so hinten in den Wagen. Wir waren
- verglichen mit heute - ziemlich sorglos. Jetzt haben die Banken solche
Transporte an eigene Firmen abgegeben. Ich hatte mit insgesamt so etwa
120 Angestellten zu tun, bin in die einzelnen Abteilungen rein, wir haben
uns über Fußball unterhalten. Arbeitsmäßig war es
eigentlich meine schönste Zeit. Ich konnte wieder mein eigener Herr
sein. Jeden Mittag war ich zu Hause zum Essen. Und oft habe ich meine Tochter
im Wagen mitgenommen. Es gab auch viele zusätzliche soziale Vergünstigungen.
Nebenbei fielen noch Fahrten an, für meinen alten Busbetrieb oder
für den Fußballclub "Alemania Aachen". Ich habe die Mannschaft
ins Trainingslager gefahren und wurde dafür jeweils zwei oder drei
Tage freigestellt. Der Präsident von "Alemania" war nämlich im
Aufsichtsrat der Bank.
Beteiligung am Busunternehmen
- Mein Onkel hatte 1968 den Betrieb aufgegeben, aber zwei Busse behalten.
Er hat mir angeboten, mit mir gemeinsam eine GmbH zu gründen. Ich
habe diesen Betrieb sechs Jahre selbständig geführt. Ich machte
Reisen, Betriebsausflüge, Tagesausflüge. Nebenbei hatte er 12
Traber (Pferde) angeschafft, stationiert in Mönchengladbach. Mir überließ
er die ganze Fahrerei, ich war ständig auf Achse. Der Busbetrieb lief
dadurch schlechter. Ich war jetzt völlig allein mit zwei Bussen. "Komm
fahr mit zum Rennen, verzichte auf die Fahrt!" Mein Onkel hatte viele Prozesse
wegen der Pferde. Ich lag mit ihm dauernd im Clinch. Meine Frau meinte,
das machen wir nicht mehr mit. Bin dann aus der Sache ausgestiegen und
auch aus seiner Wohnung ausgezogen.
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