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Zur Person  Manfred J., Rentner
Fahrer
(1953-74)

In der Blechgarage

Ein anderer Onkel von mir hatte in Aachen einen Busbetrieb. Der sagte: "Komm doch, arbeite bei mir!" Er hatte 6 Busse. Aber keine richtige Unterkunft. Drum habe ich eineinhalb Jahre in der Garage bei ihm geschlafen, mit einer Matratze auf dem Fußboden. Die Garage war nur aus Blech. Zu der Zeit war es schwer, in Aachen, das schwer zerstört war, eine Wohnung zu bekommen. Mein Onkel wohnte nebenan in einer Holzbaracke. Zuerst habe ich bei ihm gearbeitet: die Garage erneuert, es gab viel Aufbauarbeit zu machen, es kam immer wieder etwas anderes dazu. In seiner Baracke konnte ich essen. Und es gab noch viele Aufräumarbeiten.
Den Führerschein machen
Im September 1953 habe ich den Führerschein gemacht. Seitdem habe ich in seinem Betrieb Bus gefahren. Hauptsächlich die Strecke Aachen - Eschweiler, Aachen - Stollberg. Ich war bei ihm bis 1955. Dann habe ich mich mit ihm verkracht. Ich würde keinem raten, zu Verwandten zum Arbeiten zu gehen.
LKW fahren
Danach bin ich vier Monate LKW gefahren für den Neuausbau der Autobahn Aachen - Köln. Da wohnte ich in Aachen in einer Dachgeschoßwohnung, nur eineTür, sonst nichts. Keinerlei Waschgelegenheit. In dieser Zeit habe ich meine Frau kennengelernt.
Beim Städtischen Omnibus-Betrieb
Damals, als ich bei dem Städtischen Omnibusbetrieb Aachen anfing, waren es ca. 30 Busse. Und jetzt sind es ca. 400. Es war die Zeit, als die Straßenbahnen auf Omnibusse umgestellt worden sind. Da gab es noch nicht so viele PKWs. Die meisten Leute mußten mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Morgens und abends im starken Berufsverkehr, und bei Schichtwechsel. Heute verteilt sich das mehr.
Früher waren die Leute viel freundlicher
Die Fahrgäste sagten früher zu mir "Guten Morgen". Heute steigen sie ein, sind ziemlich muffelig, sagen gar nichts. Die Busse sind früher auch feste Strecken gefahren, und da hatte man als Busfahrer auch mehr Kontakt zu den Fahrgästen. Sie erzählten, was sie am Abend vorher erlebt haben, was in der Arbeit los war. Man kam viel mehr ins Gespräch. Und man war anerkannt. Meist war auch noch zusätzlich ein Schaffner dabei, für die Fahrkarten. Ab 1959 kamen die ersten Einmann-Wagen. Und ab diesem Zeitpunkt fing die Belastung an: Man mußte schaffnern und fahren. 10 Leute an der Haltestelle, einer mit einem großen Geldschein zum Wechseln - das reichte schon. Das war früher alles die Aufgabe des Schaffners. Heute zeigen sie von draußen auf die Uhr, meckern, schimpfen. Zanken sich über den Fahrpreis. Und heute sind sie sehr anspruchsvoll geworden: "Es zieht", sagen sie, "Im Wagen ist es zu heiß" oder "Im Wagen ist es zu kalt". Andere beschwerten sich, der Fahrer fahre zu ruckartig an. Früher hatte man so etwas nicht gehört. Man war dankbarer. Nicht so verwöhnt.
Im Schichtdienst
Bei uns gab's den geteilten Dienst: Morgens von 4 Uhr bis 8 Uhr und abends von 5 bis 7. Dafür sonntags frei. Oder der Schichtdienst über 8 Stunden, in einem durch. Frühdienst, Übergangsdienst oder Spätdienst. Und nur alle 7 Schichten einen freien Sonntag. Heute ist das alles ganz anders: die Busfahrer fahren nur noch 35 Stunden.
Direktionsfahrer bei einer Bank
Dann ergab sich die Möglichkeit als Direktionsfahrer bei einer Bank in Aachen anzufangen. Ich habe mich schriftlich beworben, weil mir jemand sagte, daß sie einen Fahrer suchen. Das war wieder etwas ganz anderes. Früher hatte ich eine gewisse Freiheit. Jetzt saß immer einer neben mir. Ein ganz anderes Gefühl. Mit Mütze dastehen, aussteigen, die Tür aufhalten. Ich habe mich geniert mit der Mütze, da fühlt man sich wie so ein halber Lakai. Verlangt war, immer geschniegelt und gebügelt zur Arbeit zu kommen. Und den Wagen sauber halten - was eben zu einem Chauffeur gehört. Erwartet wird auch, immer freundlich zu sein. Zusätzlich hatte man auch die Familie des Direktors mit am Hals. Für zusätzliche private Fahrten. Und dann das Warten: Wenn der Auffsichtsrat bis nachts um 12 gefeiert hat, stand ich draußen und mußte warten, bis die kamen. Das hat mir nicht mehr so gut gefallen.
Geldtransporte
Nach 2 oder 3 Jahren wechselte ich innerhalb der Bank zu einer anderen Tätigkeit: Kurierdienste für die Bankfilialen. Es ging hauptsächlich um Geldtransporte: mal 300.000 Euro zu einem Betrieb bringen. Viel ging da noch über Bargeld. Wenn wir Geld geholt haben, haben wir die Geldsäcke über den Hof geworfen, und einfach so hinten in den Wagen. Wir waren - verglichen mit heute - ziemlich sorglos. Jetzt haben die Banken solche Transporte an eigene Firmen abgegeben. Ich hatte mit insgesamt so etwa 120 Angestellten zu tun, bin in die einzelnen Abteilungen rein, wir haben uns über Fußball unterhalten. Arbeitsmäßig war es eigentlich meine schönste Zeit. Ich konnte wieder mein eigener Herr sein. Jeden Mittag war ich zu Hause zum Essen. Und oft habe ich meine Tochter im Wagen mitgenommen. Es gab auch viele zusätzliche soziale Vergünstigungen. Nebenbei fielen noch Fahrten an, für meinen alten Busbetrieb oder für den Fußballclub "Alemania Aachen". Ich habe die Mannschaft ins Trainingslager gefahren und wurde dafür jeweils zwei oder drei Tage freigestellt. Der Präsident von "Alemania" war nämlich im Aufsichtsrat der Bank.
Beteiligung am Busunternehmen
Mein Onkel hatte 1968 den Betrieb aufgegeben, aber zwei Busse behalten. Er hat mir angeboten, mit mir gemeinsam eine GmbH zu gründen. Ich habe diesen Betrieb sechs Jahre selbständig geführt. Ich machte Reisen, Betriebsausflüge, Tagesausflüge. Nebenbei hatte er 12 Traber (Pferde) angeschafft, stationiert in Mönchengladbach. Mir überließ er die ganze Fahrerei, ich war ständig auf Achse. Der Busbetrieb lief dadurch schlechter. Ich war jetzt völlig allein mit zwei Bussen. "Komm fahr mit zum Rennen, verzichte auf die Fahrt!" Mein Onkel hatte viele Prozesse wegen der Pferde. Ich lag mit ihm dauernd im Clinch. Meine Frau meinte, das machen wir nicht mehr mit. Bin dann aus der Sache ausgestiegen und auch aus seiner Wohnung ausgezogen.

Meine Fragen an Manfred J./ Meine Lebensstationen 

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© Wolfgang Hieber 1998-2009