Zurück zur Mutter
- Die größeren Betriebe wurden zu der Zeit alle verkleinert.
Ich habe daher in einem landwirtschaftlichen Beruf keine Chance mehr gesehen.
Also wollte ich mal sehen, wie es woanders so aussieht. Ich habe mich aufs
Fahrrad gesetzt - aus einer Laune heraus - und bin zu meiner Mutter nach
Kulmbach gefahren. Da gab's ja noch die Lastwagen mit zwei Anhängern.
Da konntest du dich einfach mit dem Fahrrad anhängen und den Berg
hochziehen lassen. Übernachtet habe ich im Kornfeld.
Bergbau: Endlich mehr Geld!
- Schon nach 8 Tagen ist mir die Bude auf den Kopf gefallen. Wo konnte
ich etwas mehr verdienen als in der Landwirtschaft? Zu dieser Zeit wurden
gerade wieder Arbeitskräfte für den Bergbau gesucht. Habe mich
da beworben und kam in das Bergbaugebiet EBV (Eschweiler Bergwerksverein)
nach Aachen. Mit der Aussicht, endlich mehr Geld zu verdienen. Hier hatte
ich innerhalb eines Jahres das Geld für ein Motorrad, eine "Horrex
Regina". Und 2.500 Euro auf dem Konto. Für diesen Betrag hatte sich
mein Onkel zu dieser Zeit ein Haus gekauft. Allerdings mußte ich
mich jetzt selbst verpflegen und die Unterkunft bezahlen. Ich wohnte in
einem Ledigenheim, es war keine andere Wohnung zu kriegen. Mit 8 Mann auf
dem Zimmer. "Wo ist mein Anzug?" habe ich gefragt. "Na, der ist mit dem
oder dem Tanzen gegangen". Was das für Typen waren!
Zwei Schichten
- Es war wieder eine ganz große Umstellung. Bis dahin hatte ich
immer in der freien Natur gearbeitet. Jetzt 1000 Meter unter der Erde.
Ich wollte viel Geld sparen und wenig ausgeben. Drum habe ich zwei Schichten
gemacht. Um 14 Uhr bin ich eingefahren und am nächsten Tag um 6 Uhr
ausgefahren. Nicht immer. Aber über lange Zeit so.
Tierisch, aggressiv
- Mich hat beeindruckt, daß der Mensch unter Tage ein ganz anderer
war als über Tage. Fast tierisch. Aggressiv, egoistisch. Du mußt
dir denken, du fährst 1000 Meter runter, unten sieht alles aus wie
ein Bahnhof. Der Zug kommt mit so kleinen Eisenbahn-Loren, ca. 2 oder 3
Leute drauf. Du mußtest dich ducken, gebückt 4 oder 5 Kilometer
unter der Erde fahren, um erst mal zum Streb zu kommen. Die Kohle zwischen
den Gesteinsschichten war nur 60 - 80 Zentimeter dick. Also mußte
ich durch die Gesteinsschichten hochkriechen und bin teils wieder runtergerutscht.
Alles in gebückter Haltung.
In der Kohleschicht
- Ich war in der Kohleschicht, zuständig für den Abbau der
Kohle. Ungefähr 3 Festmeter hatte ich immer gemacht. Das Schlimmste
ist, in diesen Streb reinzukommen. Und sehen, daß man für die
Nachfolgeschicht, die das Abstützen machte, alles in Ordnung hatte.
Wenn es nicht so war, hat dir der Nachfolger in die Grube geschissen oder
deine Werkzeuge beschmutzt. Bei Schichtschluß entstand der Kampf:
Jeder wollte zuerst in den Schacht rein. Du wurdest zur Seite gestoßen.
Dazu der Staub, die Hitze, bis zu 60 Grad in einer Grube. Und oft noch
knietief im Wasser.
Der angenehmere Job
- Ich verstand mich gut mit dem Steiger. Der hat mir eine leichtere Arbeit
verschafft: Vom Kratzband (wegen der Steigung) auf die Rutsche - da durfte
es nicht stocken. Wenn sich ein Stück Holz querlegt und die Kohle
kommt an, mußte alles reibungslos laufen. Da brauchte ich nur aufzupassen,
daß das Holz immer richtig draufging. Oder die Lokführer hatten's
noch besser. Auch die Elektriker.
Ich verstehe nicht, warum Bergleute manchmal von ihrer Arbeit so schwärmen
- Was soll an dieser Arbeit schön sein? Unten konnte man nur knien,
auf die Finger fielen die Steine, du hast blaue Fingernägel davon.
Alles stank nach Knoblauch von den Bergleuten. Nein, ich habe keine guten
Erinnerungen daran. Und jeden Tag war da ein Unfall. Ab ins Badenberger
Krankenhaus, den Arm amputieren oder so. Heute nehmen sie Leute von außerhalb ...
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