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Zur Person  Manfred J., Rentner
Im Bergbau
(1952-53)

Zurück zur Mutter
Die größeren Betriebe wurden zu der Zeit alle verkleinert. Ich habe daher in einem landwirtschaftlichen Beruf keine Chance mehr gesehen. Also wollte ich mal sehen, wie es woanders so aussieht. Ich habe mich aufs Fahrrad gesetzt - aus einer Laune heraus - und bin zu meiner Mutter nach Kulmbach gefahren. Da gab's ja noch die Lastwagen mit zwei Anhängern. Da konntest du dich einfach mit dem Fahrrad anhängen und den Berg hochziehen lassen. Übernachtet habe ich im Kornfeld.
Bergbau: Endlich mehr Geld!
Schon nach 8 Tagen ist mir die Bude auf den Kopf gefallen. Wo konnte ich etwas mehr verdienen als in der Landwirtschaft? Zu dieser Zeit wurden gerade wieder Arbeitskräfte für den Bergbau gesucht. Habe mich da beworben und kam in das Bergbaugebiet EBV (Eschweiler Bergwerksverein) nach Aachen. Mit der Aussicht, endlich mehr Geld zu verdienen. Hier hatte ich innerhalb eines Jahres das Geld für ein Motorrad, eine "Horrex Regina". Und 2.500 Euro auf dem Konto. Für diesen Betrag hatte sich mein Onkel zu dieser Zeit ein Haus gekauft. Allerdings mußte ich mich jetzt selbst verpflegen und die Unterkunft bezahlen. Ich wohnte in einem Ledigenheim, es war keine andere Wohnung zu kriegen. Mit 8 Mann auf dem Zimmer. "Wo ist mein Anzug?" habe ich gefragt. "Na, der ist mit dem oder dem Tanzen gegangen". Was das für Typen waren!
Zwei Schichten
Es war wieder eine ganz große Umstellung. Bis dahin hatte ich immer in der freien Natur gearbeitet. Jetzt 1000 Meter unter der Erde. Ich wollte viel Geld sparen und wenig ausgeben. Drum habe ich zwei Schichten gemacht. Um 14 Uhr bin ich eingefahren und am nächsten Tag um 6 Uhr ausgefahren. Nicht immer. Aber über lange Zeit so.
Tierisch, aggressiv
Mich hat beeindruckt, daß der Mensch unter Tage ein ganz anderer war als über Tage. Fast tierisch. Aggressiv, egoistisch. Du mußt dir denken, du fährst 1000 Meter runter, unten sieht alles aus wie ein Bahnhof. Der Zug kommt mit so kleinen Eisenbahn-Loren, ca. 2 oder 3 Leute drauf. Du mußtest dich ducken, gebückt 4 oder 5 Kilometer unter der Erde fahren, um erst mal zum Streb zu kommen. Die Kohle zwischen den Gesteinsschichten war nur 60 - 80 Zentimeter dick. Also mußte ich durch die Gesteinsschichten hochkriechen und bin teils wieder runtergerutscht. Alles in gebückter Haltung.
In der Kohleschicht
Ich war in der Kohleschicht, zuständig für den Abbau der Kohle. Ungefähr 3 Festmeter hatte ich immer gemacht. Das Schlimmste ist, in diesen Streb reinzukommen. Und sehen, daß man für die Nachfolgeschicht, die das Abstützen machte, alles in Ordnung hatte. Wenn es nicht so war, hat dir der Nachfolger in die Grube geschissen oder deine Werkzeuge beschmutzt. Bei Schichtschluß entstand der Kampf: Jeder wollte zuerst in den Schacht rein. Du wurdest zur Seite gestoßen. Dazu der Staub, die Hitze, bis zu 60 Grad in einer Grube. Und oft noch knietief im Wasser.
Der angenehmere Job
Ich verstand mich gut mit dem Steiger. Der hat mir eine leichtere Arbeit verschafft: Vom Kratzband (wegen der Steigung) auf die Rutsche - da durfte es nicht stocken. Wenn sich ein Stück Holz querlegt und die Kohle kommt an, mußte alles reibungslos laufen. Da brauchte ich nur aufzupassen, daß das Holz immer richtig draufging. Oder die Lokführer hatten's noch besser. Auch die Elektriker.
Ich verstehe nicht, warum Bergleute manchmal von ihrer Arbeit so schwärmen
Was soll an dieser Arbeit schön sein? Unten konnte man nur knien, auf die Finger fielen die Steine, du hast blaue Fingernägel davon. Alles stank nach Knoblauch von den Bergleuten. Nein, ich habe keine guten Erinnerungen daran. Und jeden Tag war da ein Unfall. Ab ins Badenberger Krankenhaus, den Arm amputieren oder so. Heute nehmen sie Leute von außerhalb ...

Meine Fragen an Manfred J./ Meine Lebensstationen 

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© Wolfgang Hieber 1998-2009