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Einfach vorbeikommen?
Jana (27), Lehrerin, Tschechien
"Bei uns in Tschechien meldet man sich bei Leuten selten an. Ich gehe einfach vorbei und läute an der Haustür  . Auch jetzt noch, obwohl inzwischen die meisten ein Telefon haben. Aber in Deutschland ist das nicht so einfach: hier wird normalerweise erwartet, dass man die Privatsphäre des anderen achtet. Wenn ich zu Besuch bin, kann ich auch nicht in jedes Zimmer gehen und mich umsehen."

Im Bad gibt es kein Bidet
Austauschschüler, Jungen und Mädchen (15 -18), Verona, Italien
"Wir haben im Bad das Bidet gesucht  . Aber es gibt keins. Wie halten sich die Deutschen sauber? Und noch ein paar Sachen sind uns aufgefallen: alle Zimmer sind mit Teppichböden ausgelegt. Beim Schlafen nachts waren wir nicht gewöhnt, dass wir in dicken Federbetten schlafen mussten und die Fenster nicht mit Rollläden verdunkeln konnten."

Dritter Stock links
Lesley (45), Los Angeles, USA
"Ich wollte jemanden besuchen. Ungewohnt war für mich zum einen: Es kommt häufig vor, dass eine Straße - auch wenn sie gar nicht lang ist - plötzlich hinter einer Kreuzung einen anderen Namen hat. Das kennen wir nicht.
Zum anderen die Namensschilder. Ich stand vor der Tür des Wohnhauses, habe den Namen gefunden und geklingelt. Die Tür wurde geöffnet und ich ging rein. Jetzt war mir aber nicht klar, in welchem Stockwerk die Leute wohnen, die ich besuchen wollte  . Mir wäre nie in den Kopf gekommen, dass die Anordnung der Namensschilder unten am Eingang des Mietshauses ein genaues Bild vermittelt, wo die jeweilige Wohnung liegt. In welchem Stockwerke, links oder rechts oder in der Mitte. Auf so etwas wäre ich nie von selbst gekommen.  Da klingelte ich nochmals, aber von oben wurde jetzt nicht mehr die Sprechanlage, sondern nur erneut der Türöffner gedrückt. Also bin ich die Treppe zu Fuß rauf, habe an jeder Tür geguckt. Ich fand das für mich sehr frustrierend, dass ich das nicht gewusst habe."

Häuser wie Schuhkartons
Arthi (30), San Francisco, USA
"Irgendwann habe ich mal in den USA gelesen, in Deutschland gibt es nur sehr kleine Grundstücke für Häuser, weil der Boden so teuer ist. Heute - auf dem Weg zum Arzt - habe ich diese kleinen Vorgärten bei den Reihenhäusern gesehen. Die Leute pflegen da ihre kleinen Gärtchen. Das ist schon auch ein bisschen traurig: ein eigenes Haus mit Garten ist hier so teuer, dass sich viele das nicht leisten können. Wer so einen Garten hat, pflegt ihn wunderschön.
Mein Mann und ich, wir wollten auch gern ein Haus und haben uns mal umgesehen. Wir können uns aber bei diesen Preisen keins leisten, obwohl sie meist nur die Größe eines Schuhkartons haben, mit einer winzigen Diele und von da geht's in die kleinen Zimmer. Wenn man aus den USA kommt, wo es häufig Häuser gibt mit viel Grund. Die Häuser bei uns stehen recht frei, sind sehr geräumig. Das ist schon eine Umstellung."

Es ist drinnen relativ dunkel
Haruyuki, Matsuyama-shi, Japan
"Es ist drinnen für Japaner relativ dunkel. Werden die Deutschen deswegen schlecht sehen?"

Intellektuelle legen keinen Wert auf neue Möbel
Toko Kiezi (25), Gebäudereiniger, Angola
"Intellektuelle legen überhaupt keinen Wert auf neue Möbel, und deswegen geben sie dafür nur Geld aus, wenn sie wirklich genug davon haben. Für Arbeiter und Arbeitslose dagegen spielt eine moderne Wohnungseinrichtung eine wichtige Rolle. Sie kaufen sich jede Menge teure Vitrinen, Fernseher und Sofas, meistens auf Kredit. Oft merken sie erst viel später, dass ihr Geld dafür nicht reicht."
(Die Zeit)

Nachbarn vor Gericht
Angela Maung-Yin (45), Hausfrau und Dolmetscherin, Taiwan
"Wir sind damals wegen der Kinder aufs Land gezogen und haben in einer kleinbürgerlichen Siedlung ein Haus gebaut. Mit den meisten Nachbarn pflegen wir inzwischen einen freundlichen Kontakt, aber die Gespräche beschränken sich auf die Haustiere und den Garten. Nur mit einem Nachbarn funktioniert selbst das nicht, was mich lange Zeit belastet hat, weil es in China dieses Sprichwort gibt: 'Die nächsten Nachbarn sind wichtiger als die fernen Verwandten!' Dann habe ich gelesen, dass rund eine Million Nachbarn in Deutschland wegen irgendwelcher Äste und Garageneinfahrten vor Gericht stehen. Seitdem bin ich gelassener geworden".
(Die Zeit)

92 Treppenstufen? Du musst hier raus!
Suzanne Leduc, Historikerin, Kanada
"Ich wohne in einer schönen Altbaumietwohnung im vierten Stock und habe meiner Familie in Kanada mit entsprechendem Stolz davon erzählt. Als dann aber meine Geschwister zu Besuch kamen und 92 Treppenstufen hinaufsteigen mussten, meinten sie entsetzt: 'Das geht nicht! Du musst hier raus!' In Kanada besitzen Leute wie ich normalerweise ein Haus, und dementsprechend trifft man sich fast immer privat. Gillpartys zum Beispiel würden nie in einem öffentlichen Park stattfinden. Ich möchte sie aber nicht mehr missen. Ebensowenig die Spaziergänge durch die 'zivilen' Wälder".
(Die Zeit)

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© Wolfgang Hieber 1998-2009