ACHTUNG: Dies ist das Kaleidoskop-Archiv. Besuche doch hier die neue Version!

Kaleidoskop Menü Eindrücke

Auf der Straße    Menü: Auf der Straße
 
Umfrage
Teil 1 | Teil 2 | Teil 3
 

Person 11:
Iwan (27), Minsk, Weißrussland
"Ich sah diese Kästen mit Zeitungen auf der Straße  . Ich war neugierig, was die Leute da machen. Ich wusste gar nicht, ob hier jemand die Zeitungen verkauft oder wie das funktioniert. So beobachtete ich einmal eine Frau, die zu den Kästen ging, einen Kastendeckel öffnete und sich eine Zeitung herausnahm. Ich fragte mich, ob da irgendwo jemand sitzt und aufpasst, ob diese Frau wirklich das Geld für diese Zeitung einwirft oder ob sie die Zeitung stiehlt. Mich hat das sehr überrascht, als ich merkte, dass die Leute, die hier eine Zeitung nehmen, auch so ehrlich sind und dafür bezahlen.
Genauso ist es bei Geschäften. Die Sachen sind außen, vor dem Laden. Niemand passt auf diese Sachen auf. Die Leute kommen vorbei, sehen sich die Sachen an. Wenn sie etwas kaufen möchten, nehmen sie das und gehen in den Laden zum Bezahlen rein."

Person 12:
Nurit (26), Studentin, Tel Aviv, Israel
"Alles ist sehr weiträumig, die Straßen sind breit und sauber. Und sehr in Ordnung. Jeder geht und fährt schön brav geradeaus. Immer geradeaus. Zum Beispiel auf der Autobahn  : alle fahren sie in ihrer Spur, mit richtigem Abstand. Auch die Straßen selbst sind nicht holprig, sondern immer glatt asphaltiert. Und überall sind Schilder, die anzeigen, wohin man gehen oder fahren muss. Man muss sie nur lesen können."

Person 13:
N., Lettland
"Mich hat überrascht, dass so viele Leute hier rauchen. Rauchen ist eine Sucht  . Fast wie eine Droge. Viel gefährlicher noch als Alkohol. Viele verstehen die Gefahr überhaupt nicht. In Lettland sieht man nicht so viele Raucher auf der Straße oder in den Cafes. Vielleicht sind sie nicht so reich, Zigaretten sind ja teuer. In Deutschland habe ich kein Cafe gefunden, wo man seinen Kaffee trinken kann, ohne Raucher um sich zu haben. Alles ist verräuchert. Für mich ist das sehr unangenehm."

Person 14:
Victoria (30), Malaga, Spanien
"Ich bin mit dem Fahrrad zum Studentenwohnheim gefahren. Und zwar auf der linken Straßenseite statt - wie es richtig wäre - auf der rechten  . Plötzlich rief mir jemand zu, ich dürfe so nicht fahren. Ich wusste das nicht."

Person 15:
Lena Szankay (32), Argentinien
"Manchmal, wenn ich in Berlin nachmittags aus dem Fenster schaue, komme ich mir vor wie in einem Science-fiction-Film: Die Stadt ist völlig ausgestorben, in den Häusern brennt kein Licht, und in den Straßen stehen leere Autos herum. Dieses Gefühl, als wäre gerade eine Neutronenbombe eingeschlagen, ist sicher die negative Seite der ausgeprägten Individualität in Deutschland.
Auf der Straße findet kein Austausch statt, niemand bittet den anderen um Zwiebeln oder was sonst gerade fehlt. Ich vermute, dass daran auch das Ladenschlussgesetz schuld ist, denn die Stadt stirbt, sobald die Läden zumachen"
(Die Zeit)

Person 16:
Aboubacar Souare (36), Guinea
"Ich habe seit meinem Studium in Conakry gelebt, einer Stadt, in der man sich gerne diskret und sehr elegant kleidet. So habe ich, als ich zuerst nach Göttingen zog, ebenfalls häufig Anzüge getragen. Doch jedesmal, wenn ich so gekleidet irgendwo auftauchte, wurde ich unweigerlich gefragt, ob ich Geburtstag hätte. Nun, die schlichte und tendenziell farblose Jeans-mit-Pullover-Tracht, die in Deutschland favorisiert wird, hat andererseits den Vorteil, dass man vielleicht weniger auf die Kleidung als auf die Persönlichkeit eines Menschen achtet." (Die Zeit)

Meine ersten Eindrücke

  Zurück zum Menü (Auf der Straße)

© Wolfgang Hieber 1998-2009