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Allein mit der Gastgeberin
Suna K. (27), Studentin, Korea
"Einmal war ich bei einer Familie in Bayern eingeladen. Es gab Schweinebraten. In Korea ist es üblich, dass alle Familienmitglieder kommen, um den Gast zu begrüßen. Aber ich saß nur mit der Gastgeberin allein zusammen - die anderen blieben in ihren Zimmern. Bei einer Einladung im Allgäu war es anders: da wurde ich gleich voll miteinbezogen und alle Familienmitglieder haben sich mit mir unterhalten."

Sie haben sich umarmt
Sumiaki, Tokio, Japan
"Über eine Familie meiner deutschen guten Bekannten kann ich etwas sagen. Als ich sie zum ersten Mal besucht habe, hat ihr Sohn mit seiner Freundin im Wohnzimmer auf dem Boden gesessen. Die beiden saßen ganz dicht zusammen und haben sich umarmt. Weil man in Japan üblicherweise seine Liebe vor den Augen der Familienmitglieder, geschweige denn vor denen eines unbekannten Besuchers nicht zu äußern pflegt, war diese Szene ein Schock für mich. Sonst habe ich aber zu familiären Beziehungen keinen großen Unterschied gefühlt."

Zu viel Freiheit
Ösgün (16), Ordo, Türkei
"Ich glaube, Familie funktioniert in der Türkei besser. Eltern in der Türkei haben bei ihren Töchtern und Söhnen noch ein Wort mitzureden. In einer deutschen Familie ist das ganz anders: die Jugendlichen rauchen Zigaretten, trinken, haben alle Freiheit mit ihrer Freundin. Diese totale Freiheit finde ich nicht gut. Wenn Jugendliche so aufwachsen, werden sie später vielleicht Penner, Alkoholiker, Drogensüchtige. Die Eltern sollten schon strenger sein. Ein bisschen, nicht zu viel."

Kinder dürfen alles
Iwan (27), Minsk, Weißrussland
"In einem Park oder der Straßenbahn sehe ich oft Leute mit ihren Kindern. In unserem Land erlauben die Eltern den Kindern nicht so viel wie hier in Deutschland. Man hat den Eindruck: die Kinder hier machen, was sie wollen. Und die Eltern verbieten ihnen nichts. Ob das gut oder schlecht ist, ist schwer zu sagen. Eigentlich weiß man das erst, wenn diese Kinder erwachsen sind. Vielleicht müssen Kinder auch Grenzen gesetzt bekommen. Später werden sie das dann verstehen."

Beim Essen wird kaum gesprochen
Luisa (23), Wenzhou, China
"Die Familie, bei der ich wohne, lebt gar nicht so nach der Uhr. Zum Beispiel essen die einzelnen Familienmitglieder, wann sie wollen. Das finde ich gar nicht so positiv. Besser wäre es, zusammen zu essen. Zu einem festen Zeitpunkt. Das ist dann ein Treffpunkt für alle. Wenn man zusammensitzt, wird kaum gesprochen. Wir in China sprechen immer miteinander. Für mich ist es sehr ungewohnt, sich nicht zu unterhalten. Ich will natürlich Deutsch lernen, da wäre es besser, wenn mehr gesprochen würde."

Als Ausländer bei einer Gastfamilie
Victoria (30), Malaga, Spanien
"Als Gast bei einer deutschen Familie wohnen - damit habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Das sagen auch andere, die ich kenne. Es funktioniert einfach nicht, sich integrieren ist schwer. Das ist schade. Es entsteht kein echter Kontakt. Dabei wäre es so gut für alle, die Deutschland kennenlernen und Deutsch lernen wollen, bei einer Familie aufgenommen zu werden. Wenn in der Familie Kinder sind, wäre es noch besser. Dann hat man mehr Möglichkeiten. In Spanien ist die Integration, wie ich finde, nicht so schwer. Man muss natürlich einfühlsam sein und rücksichtsvoll. Jetzt wohne ich in einem Studentenheim, und da läuft alles viel besser."

Eine Horrorvision:
das deutsche Kinderzimmer!

Lena Szankay (32), Fotografin, Argentinien
"Eine Zeitlang habe ich bei wohlhabenden Leuten als Babysitter gearbeitet und dort kennengelernt, was für mich eine richtige Horrorvision wurde: deutsche Kinderzimmer! Jedes der beiden Kinder hatte ein eigenes Zimmer, zusätzlich gab es noch ein Spielzimmer mit weitaus mehr Spielsachen als das Kinderkrankenhaus von Buenos Aires für alle seine kleinen Patienten bereithält. Die Kinder müssen sich zu oft mit sich selber beschäftigen, was natürlich die Selbständigkeit fördert. Aber zugleich wird ihre Emotionalität total kontrolliert und ihr Egoismus verstärkt."
(Die Zeit)

Gestörte Kinder
Mala Khaing (28), Physikstudentin, Birma
"Mir erscheinen fast alle Kinder in Deutschland irgendwie gestört. Zwar sind die jungen Eltern heute liebevoller zu ihren Kindern als fühere Generationen, aber zumindest die reichen Leute pumpen doch mehr Geld als Liebe in ihre Kinder. Seit ich hier lebe, ist mir bewusst, dass ich im Vergleich zu vielen Leuten viel stärker und selbstbewusster bin, weil meine Eltern mir immer alles gegeben haben, in jeder Beziehung. Überhaupt ist das Familiäre in Birma viel ausgeprägter - das hat viele Konsequenzen!"
(Die Zeit)

Kinderlos - uneheliches Kind
Haruyuki, Matsuyama-shi, Japan
"Ein Ehepaar in Freiburg hatte kein Kind. Eine Frau in Leipzig hatte ein uneheliches Kind."

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© Wolfgang Hieber 1998-2009