Karneval

Karnevalsprinz

Gregor II. von Aachen
stellt sich vor.

Seine Majestät und Tollität
erzählt von den Aufgaben
eines Prinzen …

Interview mit dem Karnevalsprinz Gregor II. von Aachen

Sie sind vor einigen Jahren Karnevalsprinz gewesen. Wie wird man das denn?
“Seit jeher ist es so, dass der AKV, der Aachener Karnevalsverein, den Prinzen stellt. Schon im laufenden Jahr sucht man sich einen aus, der dafür in Frage kommt. Wenn dann der Elferrat entschieden hat, wer es wird, wird er ernannt, und der designierte Prinz muss sich eine Mannschaft suchen. Er hat dann erst einmal seine eigenen Vorbereitungen für die Proklamation. Anfang des Jahres ist immer die Prinzenproklamation. In diesem Jahr war es der 9. Januar.”

Und mit der Proklamation ist der Karneval so richtig eingeläutet?
“Ja, zu dieser Proklamation kommen sämtliche Aachener Karnevalsvereine, vertreten durch Abordnungen. Wenn dann der Prinz proklamiert ist, marschieren die alle auf und erweisen der neuen Tollität die Reverenz. Das ist ein sehr großer Abend, sehr aufwändig.”

Muss sich der Prinz irgendwie vorstellen?
“Er hat bei der Proklamation eine halbe Stunde zur Verfügung, wo er sich selbst darstellen kann. Da kann er, nein da muss er eine halbe Stunde eigenes Programm zaubern. Die Mitglieder des Karnevalsvereins gucken sich das sehr genau an und vergleichen: Was hat er an? Wie unterscheidet er sich in den Farben vom Vorjahres-Prinzen? Wie spricht er? Muss er viel ablesen oder kann er ohne Manuskript reden? Wie kommt er an? Das sind alles Dinge, die für seine Einschätzung wichtig sind. Ich behaupte ja: wenn einer die Proklamation gut übersteht, ist das schon die halbe Miete für die ganze bevorstehende Karnevalssaison.”

Und dann geht es schon voll in die Karnevalsverpflichtungen?
“Ja, wenn diese Proklamation gelaufen ist, hat der Prinz bis zum Ende des Karnevals, bis zum Aschermittwoch also, täglich Programm. Er muss die Vereine besuchen, er muss zur Stadt, er muss zum Finanzamt, und dahin oder dorthin, er muss überall seine Aufwartung machen. Meist sind es pro Abend so vier bis sechs Termine in den Anfangswochen. Wenn es aber auf die Karnevalswoche zugeht, dann häuft sich das bis auf 10-15 Termine pro Abend.”

Erzählen Sie uns doch mal genau, wie solche Auftritte mit Ihrer Prinzengarde aussehen …
“Wenn der Prinz zum Verein kommt, wird er dort mit Bamborium empfangen und wird begrüßt durch den Sitzungspräsidenten. Der Prinz richtet dann ein paar Worte an sein Volk. Er kommt auch mit großem Gefolge: mit der Prinzengarde. Sie begleitet ihn zu allen Terminen, mal in kleinerer oder mal in größerer Besetzung. Sie ist beritten, hat eine Kapelle und eine Tanzgruppe. Was auch wichtig ist: dass zu jedem Auftritt auch das Tanzpaar seine Darbietungen darbringen muss. Das gehört mit dazu. Anschließend werden meist ein paar Karnevalslieder gesungen. Oder der Prinz hat so eine Mannschaft um sich herum, die eben ein bisschen Budenzauber veranstalten kann. Das bleibt im Grunde genommen jedem überlassen, was er macht. Alles ist zeitlich sehr begrenzt, der Prinz muss ja weiter zu den anderen Terminen am Abend. Vor acht Uhr abends läuft noch nichts, und nach Mitternacht sollte er auch nicht erst erscheinen. Er kann sich also pro Besuch nicht allzu viel Zeit lassen. Und das jeden Tag. Da braucht man schon gute Kondition. Und natürlich muss man sich für die letzte Karnevalswoche in der Firma Urlaub nehmen.”

Ein Offizier der Prinzengarde
In dieser Uniform begleitet die Prinzengarde den Kinderkarnevalsprinz bei sämtlichen Auftritten.

Diese Abende, die Auftritte, die Kleidung – wer zahlt das?
“Wer so eine Prinzenrolle übernimmt, muss sich schon auch finanziell engagieren. Dem Kölner Dreigestirn kostet ein Karneval etwa 150.000 Euro. Hier in Aachen muss ein Prinz ca. 50.000 Euro aufbringen. Ohne Geld geht es nicht. Ich habe das selbst bei mir gesehen: Wir hatten viel Spaß, aber sonst hat es keine Vorteile gebracht.”

Am Aschermittwoch ist dann alles – wie ein Spuk – vorbei …
“Nicht ganz. Schön ist z.B., dass alle Prinzen – sofern sie den Aschermittwoch überleben – in das Ex-Prinzen-Korps kommen. Da trifft man sich zwei oder dreimal pro Jahr. Nur diese Ex-Prinzen. Wir machen auch mal eine Fahrt. Am Tag der Proklamation, am 9. Januar, treffen wir uns alle. Vorher ist noch ein Ordensfest. Und da sind wir fast alle immer vollzählig.”


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